Das Märchen der einzig wahren Generation Y

© nito - Fotolia.com
© nito - Fotolia.com

Wieder einmal kursiert ein Artikel in den sozialen Medien, der versucht, die Generation Y zu charakterisieren. Diesmal kommt der Autor, Bernd Kramer, aber aus der anderen Ecke und sagt, die Generation Y sei in Wahrheit eine "Generation Prekär". Für ihn hat die häufige Darstellung der Generation als "superflexibel" und "superselbstbewusst" nichts mit der Realität zu tun - er schreibt: "Leider stimmt nichts an der Geschichte von der Generation Y. Schlimmer noch: Sie ist eine weitere Zumutung für junge Berufstätige, die nun nicht nur mit den Härten der Arbeitswelt, sondern auch mit dieser Legende zu kämpfen haben.". Kramer beklagt eine immens hohe Zahl von Zeitverträgen, die junge Arbeitnehmer immer häufiger unterschreiben müssten, um überhaupt in die Arbeitswelt zu kommen. Arbeitgeber nutzten das Bild der selbstbestimmten, freiheitsliebenden Jungen aus, um den flexiblen Einsatz von Arbeitskräften zu rechtfertigen. Hat Kramer recht, sind wir die "Generation Prekär"?


Wer sind "wir"?

Haben wir, die Generation Y, es wirklich so schwer, wie Kramer schreibt? Sind wir wirklich so anspruchsvoll, wie andere (hier zum Beispiel die FAZ) uns darstellen? Oder ist es vielleicht vielmehr so, dass beide eine relativ kleine Gruppe an entgegengesetzten Extremen beschreiben, und die Wahrheit, wie so oft im Leben, für 90% unserer Generation irgendwo dazwischen liegt? Ich persönlich glaube, letzteres ist der Fall. Je nachdem, in welche Berufsgruppen man schaut, wird man für beide Extreme Beispiele finden, gar keine Frage. Aber es gibt sicherlich auch etliche Ypsiloner, die weder in extrem prekären Arbeitsverhältnissen leben noch die absolute Freiheit haben, ihr Arbeitsleben so zu gestalten, wie es ihnen passt. Wenn ich mich so umhöre, spreche ich meistens mit Leuten, die zwar schon gewisse Ansprüche und Vorstellungen haben - aber die auch pragmatisch genug sind, ihre Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Die einzig wahre Generation Y (ob nun anspruchsvoll oder prekär beschäftigt) gibt es für mich nicht.


Warum dann überhaupt über die Generation Y sprechen?

Die Debatte über die Generation Y halte ich dennoch für eine wichtige. Dass sie nun schon seit einigen Jahren läuft und die Medien nicht müde werden, über uns zu berichten und uns irgendwo einzuordnen, liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass die Bedürfnisse, die man uns gemeinhin zuschreibt, auch Leute aus anderen Altergruppen betreffen. Wer hat schon was dagegen, selbstbestimmter arbeiten zu können? Wer möchte nicht flexibel in der Gestaltung des Arbeitstages sein? Die Debatte über "unsere Ansprüche" löst ein Umdenken und tatsächliche Veränderungen aus und ist genau deswegen wichtig und wertvoll. Berücksichtigt man dazu noch die veränderten Rahmenbedingungen (steigende Komplexität und erhöhte Schnelligkeit in den meisten Märkten), sind viele dieser Veränderungen auch aus wirtschaftlicher Sicht notwendig.

 

Wichtige Bedingung: Faire Bedingungen für alle

Natürlich hat Bernd Kramer aber recht, wenn er fordert, die angeblichen Bedürfnisse junger Arbeitnehmer dürften nicht zu ihrem Nachteil umgedeutet werden. Die gefühlte Sicherheit, die viele auch mit 30 noch durch ihre Eltern erfahren, darf nicht dazu führen, dass wir uns noch Jahre nach der Ausbildung von Praktikum zu Praktikum hangeln und die Eltern uns dabei finanziell unterstützen (müssen). Das ist gar keine Frage. Das erste Ziel jedweder Debatte zur Veränderung der Arbeitswelt sollte sein, faire Arbeitsbedingungen zu schaffen - und zwar für alle. Für Geistes- ebenso wie für Wirtschaftswissenschaftler, für Bürokaufleute, für Produktionsmitarbeiter, für Angestellte im Dienstleistungsgewerbe und für diejenigen, die im Gesundheits- oder Bildungswesen beschäftigt sind. Unabhängig von Ausbildung und Tätigkeit sollten Rahmenbedingungen vorherrschen, die eine adäquate Entlohnung und faire Arbeitsverträge sichern. Wenn es zusätzlich gelingt, die Arbeitswelt so zu gestalten, dass individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden können und die Arbeitnehmer intrinsisch motiviert sind, im Job ihr volles Potential zu entfalten und sich einzubringen, umso besser - das dürfte doch allen Generationen (nicht nur den Ypsilonern) gefallen, oder etwa nicht?

 

Also, lasst uns die Debatte führen, ohne dabei nur über Randgruppen zu sprechen - und lasst uns realistisch überlegen, wie eine Arbeitswelt der Zukunft für alle aussehen kann!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0