Wie verändern Smartphones unsere Kommunikation?

© stokkete - Fotolia.com
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Während meines Studiums war ein Modell sehr präsent: Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun. Es steht zwischen Sender (mit vier Schnäbeln) und Empfänger (mit vier Ohren) und sorgt dafür, dass eine Botschaft nicht einfach nur eine Botschaft ist - sondern vier verschiedene Botschaften enthält. Und genau das macht Kommunikation zwischen zwei Menschen manchmal zur echten Herausforderung. So ist es nicht verwunderlich, dass das Kommunikationsquadrat nachwievor gerne und viel zitiert wird, wenn es in Vorträgen, Seminaren und Trainings um Kommunikation geht - man kommt nicht drum herum. Wie aber verhält es sich mit dem Kommunikationsquadrat, wenn mittels Smartphone kommuniziert wird? Dieser Frage soll hier einmal beleuchtet werden.

Andere Kriterien der Interpretation

Beim gesprochenen Wort im 1-zu-1-Kontakt können Tonfall, Körpersprache und Kontext zur Interpretation mit herangezogen werden. Das erleichert häufig (wenn auch nicht immer) das Verstehen und Verstandenwerden. Kommuniziert man nun über das Smartphone, fallen diese Interpretationshilfen weg und es kommen andere hinzu: Die Schnelligkeit, mit der der Empfänger antwortet, das Medium, das der Sender wählt (Foto, Video, Text- oder Sprachnachricht), die App, die genutzt wird... All diese Kriterien können Aufschluss geben über Sach-, Appell-, Beziehungs- und Selbstkundgabeseite und fügen der Kommunikation manchmal eine ganz neue Dimension hinzu. Während immer mehr Posts bei Facebook lediglich darauf abzielen, positives Feedback zu erzeugen (zumindest wenn es sich um die Bekanntgabe von persönlichen Infos handelt) - auf der Appellseite also (vermeintlich einheitlich) schreien: BESTÄTIGT MICH, wird bei einer Nachricht über WhatsApp schon eher ein interessiertes Nachfragen erwartet - auf der Appellseite also vielleicht ein: "Beschäftige dich mit mir", denn (Beziehungsseite) "Dein Interesse ist mir wichtig". Besonders kritisch ist jeweils auch die Geschwindigkeit, mit der auf eine Nachricht reagiert wird. Binnen Minuten wird eine Antwort erwartet, insbesondere dann, wenn zwei kleine blaue Häkchen anzeigen, dass der andere die Nachricht schon gelesen hat - wird diese Erwartung nicht erfüllt, wird gern drauf los spekuliert: Warum antwortet er (oder sie) nicht? Habe ich was falsch gemacht? Bin ich nicht wichtig genug? Gut kann man sich da vorstellen, wie Watzlawicks Hammer-Geschichte im Zeitalter von Smartphones immer häufiger Realität wird.

 

Mehr Quantität, weniger Qualität

Und so sind alle immer bemüht, möglichst schnell zu reagieren, und die Geschwindigkeit, mit der wir kommunizieren, steigt rasant an. Dass das ein zusätzlicher Stressfaktor ist, sei hier nur eine Randnotiz. Mit der Geschwindigkeit steigt auch die Kontaktmenge - statt einem längeren telefonischen Gespräch alle zwei Wochen (wie es noch vor 20 Jahren war), werden nun Bilder, Sprüche, Emoticons hin und her geschickt, als ob es kein Morgen gäbe. Aber bringt uns das wirklich mehr in Kontakt? Ich glaube nicht. Zwar sind wir häufiger in Kontakt, aber oft nur nebenbei und mit wenig Konzentration - kein Wunder, denn welches Gehirn ist schon in der Lage, parallel tiefgründige Gespräche mit fünf oder zehn Personen zu führen? So verändern sich denn auch die Inhalte der Kommunikation hin zu einfacheren, leicht verdaulichen Informationen (etwa Fotos des tagesaktuellen Essens oder einfach ein locker-flockiges "Wie geht's?-Geplänkel" alle paar Tage).

© Isabelle Pfister
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Vor allem eine Seite wird vernachlässigt: Die Selbstkundgabe

Bezogen auf das Kommunikationsquadrat heißt das: Während auf der Sachebene haufenweise Infos ausgetauscht werden und über der Kommunikation der ewige Appell "Beachte mich, und zwar schnell!" schwebt, versichern wir uns dabei auch ständig unserer Beziehungen: "Du bist mir wichtig, der Kontakt zu dir ist wertvoll" - aber eine Seite wird häufig vernachlässigt: Die der Selbstkundgabe. Nämlich dann, wenn es darum geht, über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen, sich über Werte auszutauschen... Nur wenigen gelingt es, auch diese Seite im zwischenmenschlichen Kontakt zu pflegen, wenn die Kommunikation nur über WhatsApp und Co. läuft. Einige kehren daher zurück zum Telefonat (natürlich erst, nachdem man sich per Textnachricht vergewissert hat, dass der andere auch erreichbar ist), oder, wenn es die räumliche Nähe hergibt, zu einem persönlichen Treffen - da bleibt dann nur zu hoffen, dass das Smartphone in der Tasche bleibt und nicht wieder die Kommunikation stört...


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