Wie mein Blog fast im Papierkorb landete... Oder: Priorisieren mit Eisenhower

In den letzten Monaten war es an dieser Stelle ziemlich still. Nach einem ziemlich aktiven Blogger-Dasein in den ersten zwölf Monaten ist meine Aktivität in den vergangenen zwölf Monaten immer mehr zurück gegangen, bis zum Schluss gar nichts mehr passierte. Ein kritischer Blick zeigt: die letzte Veröffentlichung ist fast zwei Monate her, und davor auch nicht wirklich viel los... Was ist passiert? Es ist ja nicht so, dass ich keine Lust am Schreiben habe - ganz im Gegenteil. Aber, um es mit dem ehemaligen US-Präsident Eisenhower zu sagen: Die Aufgabe zu bloggen wurde von einer B- zu einer A- zu einer C-Aufgabe - und ist schließlich fast im Papierkorb gelandet...

Kurz erklärt: Das Eisenhower-Prinzip

Das Eisenhower-Prinzip, benannt nach seinem Erfinder, dem ehemaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, ist weitläufig bekannt und wird in Zeitmanagement-Seminaren als die Methode schlechthin vorgestellt, wenn es daran geht, die anliegenden Aufgaben zu priorisieren. Die Legende besagt, dass Eisenhower selbst sich diese Methode ausdachte, um seine täglichen Aufgaben als Präsident zu sortieren. Und was für ein Staatsoberhaupt funktioniert, kann für uns doch nicht schlecht sein, oder?

© thingamajiggs - Fotolia.com
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Priorisierung durch Einordnung

Nach Eisenhower gibt es zwei wesentliche Kriterien, anhand derer man anstehende Aufgaben beurteilen kann: Wichtigkeit und Dringlichkeit. Je nachdem, wie wichtig und dringlich die Aufgabe ist, ergeben sich vier verschiedene Arten von Aufgaben:

  • A-Aufgaben: Sind wichtig und dringlich und müssen sofort erledigt werden - am besten durch mich selbst.
  • B-Aufgaben: Sind ebenfalls wichtig, aber (noch) nicht dringlich. D.h. ich kann terminieren, wann ich sie erledige.
  • C-Aufgaben: Sind nicht so wichtig, aber dringlich und sollten daher auch möglichst bald erledigt werden - aber nicht zwangsläufig durch mich selbst.
  • D- (oder auch P-)Aufgaben: Weder wichtig noch dringlich. Solche Aufgaben gehören am besten direkt in den Papierkorb.

Ziel eines guten Zeitmanagements ist natürlich, die meisten Aufgaben zu terminieren bzw. die weniger wichtigen zu deligieren - aber wem gelingt das schon in der Realität? Häufig werden doch B- zu A-Aufgaben, weil wir Termine nicht eingehalten haben oder wir sie falsch einstufen; und auch viele C-Aufgaben kommen uns vor wie A-Aufgaben, weil wir uns schwer damit tun, Verantwortung abzugeben... Die Folge zu vieler A-Aufgaben: Stress. Permanent haben wir das Gefühl, alles sofort machen zu müssen und hinterfragen unsere subjektiv und schnell getroffene Priorisierung gar nicht erst.

Wie mein Blog durchs Raster fiel...

In meinem Fall ist rückblickend wohl Folgendes passiert: Am Anfang war das regelmäßige Bloggen eine wunderschöne B-Aufgabe. Ich wusste: Zweimal in der Woche setze ich mich hin und schreibe, manchmal mit Redaktionsplan, manchmal ohne - aber immerhin: ich habe geschrieben. Dann kamen andere Aufgaben dazu, die meinen liebevoll erstellten Zeitplan über den Haufen warfen, und das regelmäßige Bloggen wurde zur nervigen A-Aufgabe. Das hat mich gestresst, zugegeben. Deswegen habe ich mich von meinem selbst diktierten Zeitplan getrennt (was für mein Stresslevel gut war) und entschied: Zweimal in der Woche muss ich nicht bloggen, ich mach es lieber flexibel - wann immer mich die Muse küsst. Außerdem hab ich hin und wieder versucht, Gastblogger miteinzubinden - also die Aufgabe zu deligieren. Das Ende vom Lied? Die Muse hat mich nie geküsst. Oder ich hab es nicht gemerkt, weil ich mit anderen Dingen zu beschäftigt war. Und das Deligieren passte auf Dauer nicht zu meiner Vorstellung von meinem Blog. Jedenfalls ist das Bloggen fast im Papierkorb verschwunden - bis heute. Denn jetzt mache ich es wieder zur B-Aufgabe. Wie in guten alten Zeiten (nur an meine veränderte zeitliche Verfügbarkeit angepasst), versprochen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Dr. Markus Gyger (Dienstag, 27 Oktober 2015 08:56)

    Schön dass du weiter schreibst :-)

    Ja, die lieben Eisenhower-Diagramme. Ich finde diese Methode etwas fragwürdig: Warum kommen dringende Aufgaben, die aber total unwichtig sind auf die To-Do Liste von jemandem anderen (Delegieren) und nicht in den Müll? Warum soll ich alle Aufgaben, die wichtig sind, selbst erledigen? Wenn ich nicht der richtige bin, um sie zu erledigen, muss ich sie eigentlich doch delegieren.

    Ich bin der Meinung, dass die vorgeschlagenen Handlungsschritte (nicht bearbeiten, delegieren, terminieren und später selbst erledigen, sofort selbst erledigen) nicht nicht wirklich den Quadranten zugeordnet werden können. Sonst traut man sich nicht Verantwortung abzugeben, wenn es notwendig wäre (richtiges Deligieren) sondern legt seinen Kollegen ständig den unwichtigen Krams auf den Tisch, nur weil er eine Deadline hat.