Sinnhaftigkeit in der Arbeit - nur ein Thema der Generation Y?

Miteinander reden - voneinander lernen

Isabelle Pfister schreibt:

Meiner Generation wird gerne nachgesagt, sie wolle einen Sinn sehen in dem, was sie tut. Insbesondere in der Arbeitswelt sei Sinnhaftigkeit ein Wert, der immer mehr nachgefragt sei. Das heißt nicht per se, dass alle mit ihrer Tätigkeit die Welt verbessern wollen und als oberstes Ziel den Weltfrieden haben - aber doch will die Mehrheit sehen, dass ihre Arbeit einen Impact hat und dass sie mit dem, was sie tun, etwas erreichen. Tatsächlich ist der Wunsch nach Sinnhaftigkeit auch etwas, dass ich an mir selbst und bei meinesgleichen beobachte - aber ist das wirklich so ungewöhnlich und neu? Oder anders gefragt: Woran liegt es, dass immer öfter über die Sinnhaftigkeit der Arbeit gesprochen wird?

Eine Frage des Alters?

In Diskussionen um diesen Wunsch nach Sinnerfüllung heißt es gern, dass dies für das Alter, aber nicht unbedingt für die Generation typisch sei - und sich spätestens dann ändern wird, wenn andere Themen im Leben, wie beispielsweise Familiengründung und Immobilienkauf, in den Vordergrund rücken. Schaut man sich mal an, welche Werte dahinter stehen, scheint sich das zu bestätigen: Ja, es handelt sich um postmaterialistische Werte, die von jeher von jungen Erwachsenen zugeschrieben werden - Freiheit, Unabhängigkeit, Partizipation, Selbstverwirklichung. Und ja, in der Vergangenheit war es so, dass diese Werte mit relevanten Lebensveränderungen unwichtiger wurden.


Verliert auch die Generation Y ihre Werte...

... wenn sich ihr Single- zum Familienleben verändert? Nein, ich glaube nicht. Denn anders als vorherige Generationen müssen wir uns weniger existentiellen Fragen stellen. Wir sind durch den demografischen Wandel und gute Ausbildungen relativ abgesichert - und wir machen die Erfahrung, dass wir mit sinnhafter Arbeit durchaus auch Geld verdienen können. Auf der einen Seite, weil Unternehmen immer häufiger erkennen, wie positiv sich Eigenverantwortung und Selbstbestimmung, die die Sinnhaftigkeit massiv prägen, auf die Produktivität auswirken - zum anderen, weil sich nicht nur meine Generation, sondern viele in unserer Gesellschaft die Sinnfrage stellen und Themen wie Nachhaltigkeit z.B. in der Sharing Economy immer mehr Beachtung erfahren. Die Zeit der Bullshit-Jobs ist vorbei. Meiner Meinung steckt also hinter dem Bedürfnis nach mehr Sinnhaftigkeit in der Arbeit ein gesamtgesellschaftlicher Wandel - und nicht nur der Wunsch einer kleinen Generationsgruppe. Oder was hast du in den letzten Jahren beobachtet, Petra?

Hallo Isabelle,

meiner Meinung nach ist die „Sinnhaftigkeit der Arbeit“ kein ausgesprochener Wert der Generation Y. Auch wir wollten und wollen eine sinnvolle Arbeit, die uns ausfüllt und Spaß macht. Vielleicht steht sie deshalb bei Euch im Fokus, weil sie etwas mit dem Luxus „Bildung“ zu tun hat, und dass ihr keine finanzielle Not erlebt habt. Eine HARTZ IV Familie wird sich auch heute nicht die Frage der Sinnhaftigkeit stellen, sondern einfach froh sein, Arbeit zu haben. So viel erst einmal grundsätzlich zu diesem Thema.

 

Einzelbetrachtung der „Sinnhaftigkeit von Arbeit“ aus Sicht meiner Generation

Ehrlich gesagt, kann ich mit dem Begriff „Sinnhaftigkeit in der Arbeit“ auch gar nicht so richtig etwas anfangen. Es sei denn, Du meinst damit, etwas Sinnvolles zu tun, wie zum Beispiel der Arbeiter am Laufband bei einem Autohersteller. Er sah am Ende auch Impact – nämlich den Teil der Karosserie, für den er verantwortlich war.

 

Ja, ich denke schon, dass sich ein Wertewandel im Rahmen von Familienplanung vollzieht. Ab dann hat jeder nicht mehr die Verantwortung nur für sich selber, sondern auch für ein Kind, das versorgt werden möchte, das Ansprüche hat, wie z.B. Kitaplatz, Schule, Ausbildung. Alles Kostenfaktoren, die durch die Arbeit abgedeckt werden wollen. Wie hoch der finanzielle Anspruch der jeweiligen Personen ist, ist natürlich sehr individuell zu sehen, aber die meisten Familiengründer haben damit schon eine andere finanzielle Belastung, die ggf. gegenläufig zur sinnerfüllten Arbeit laufen kann.

 

Zum Abschluss noch ein Gedanke, der die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Arbeit beflügelt: Wie gehen wir mit der Überfluss-Gesellschaft um? Hier steckt aus meiner Sicht großes Ideen- und Sinnfindungspotential. Auf diesem Gebiet ist es mehr als wünschenswert und sinnhaft, sich Gedanken zu machen – auch in neuen Berufsprofilen oder -gebieten, wie aus Altem etwas Neues wird. Oder statt neu anzuschaffen, Dinge zu teilen, wie in der von Dir angesprochenen Sharing-Economy.


Mein Fazit:

Um Deine Frage zu beantworten: Einen Sinn in seiner Arbeit zu sehen, war auch in meiner Generation ein großer Wunsch und nichts Neues. Aber, nochmal: Dies gilt nur für eine kleine Gruppe, nämlich die, die auf der Sonnenseite der Gesellschaft steht.


Was bedeutet für Euch die „Sinnhaftigkeit von Arbeit“? Ist das eine Generationsfrage? Oder eine Frage der Bildung?

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Kommentare: 1
  • #1

    Rainer (Mittwoch, 02 September 2015 08:46)

    Die Sinnhaftigkeit stellt sich meiner Meinung nach - und da stimme ich Petra zu - nur, wenn das Leben um den Job herum zufrieden stimmt und private Wünsche erfüllt sind. Mir scheint es aber so, dass die (meine) Werte in der Arbeitswelt sich in den letzten 25 Jahren geändert haben. Für mich war und ist es immer wichtig gewesen, für wen ich arbeite. Und warum. Das machte Sinn. Heute wechseln Vorgesetzte gern alle 3 Jahre, die Aufgaben sind (zum Teil global) verteilt, das Erlebnis eines (gemeinsamen) Erfolges fehlt und es mangelt an Nachhaltigkeit (scheint ja jetzt ein Unwort zu sein). Da frag´ ich mich schon das eine oder andere Mal: Wo ist die Sinnhaftigkeit meiner Arbeit hin?