„Gearbeitet wird am Arbeitsplatz – Zuhause ist Feierabend“– Arbeitszeitenregelung früher und heute

Miteinander reden - voneinander lernen

Petra Siemoneit schreibt:

Die Überschrift hört sich im Zeitalter der digitalen Arbeitswelt befremdlich an, oder? Lange Zeit gab es in meinem beruflichen Werdegang aber nur das: Das klassische 9-to-5 Modell. Mittlerweile sieht die Arbeitswelt zum Glück anders aus - aber ist das immer ein Segen?

Diesen Monat beleuchten wir die Arbeitszeiten genauer: Was hat sich inzwischen geändert? Was ist jetzt besser? Was vielleicht auch tückisch?

Das klassische 9-to-5 Modell

... oder auch der 8-Stunden-Arbeitstag: Steif und reglementiert kam er daher! Manchmal sogar mit Stempeluhr, die genau darüber Buch führte, wann wer gekommen, wann gegangen, wann Pause gemacht hat. Diese Vorgehensweise hatte so ein wenig den Touch von Mitarbeiterkontrolle und führte eher zu Unmut, als dass es im Arbeitsalltag akzeptiert wurde. Klar, dass das auch zu kleinen Manipulationen führte ;)

 

Ich kann mich noch genau erinnern, wie ein ungeplanter privater Handwerkereinsatz, ein Arztbesuch oder sonstige Besonderheiten, die außerhalb des Arbeitszeit-Rahmens fielen, mir ein schlechtes Gewissen machten und mich intensiv überlegen ließen, wie ich die fehlende Zeit wieder aufholen konnte. Die technische Entwicklung war teilweise auch noch nicht so weit, dass der Abruf von Mails über das Handy oder LogIns zum Firmensystem Normalität waren, um ggf. Zuhause oder unterwegs schon mal weiterzuarbeiten oder auch mal produktive Zeiten auszunutzen, die außerhalb des gesteckten Arbeitszeitrahmens waren.

 

Was hat sich inzwischen geändert?

Als die ersten Trends in Richtung Arbeitszeitenflexibilität oder Home-Office diskutiert wurden, waren sofort Stimmen da, die behaupteten, dass speziell im Home-Office ja keiner Kontrolle darüber hat, ob auch tatsächlich gearbeitet wurde oder nicht. Kollegen, die die ersten Feldversuche mit dem neuen Arbeitsmodell Home-Office machten, wurden eher misstrauisch beäugt und als „Zusatz-Urlaub-Empfänger“ eingestuft. Heute belegen Studien, dass Mitarbeiter, die flexibel ihre Arbeit, ggf. auch im Home-Office, einteilen können sehr viel produktiver sind!

 

Liebe Petra,

 

keine Frage: sich die Arbeit flexibel einteilen zu können und auch mal von unterwegs berufliche E-Mails checken zu können, ist ein großer Vorteil der heutigen Arbeitswelt. Auch ich beobachte, was die Studien bestätigen: Wenn Arbeitnehmer sich die Zeit selbst einteilen können, schaffen sie mehr. Das hat wohl weniger damit zu tun, dass sie auch mitten am Tag private Termine wahrnehmen können, sondern vielmehr mit dem Gefühl der Selbststeuerung und der internalen Kontrolle. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Motivation aus.

 

9-to-5 hat auch Vorteile

Allerdings beobachte ich auch, dass viele gerne am 9-to-5-Modell festhalten. Der Vorteil einer derart klaren Einteilung des Tages liegt auf der Hand: Der Arbeitstag beginnt zu einem bestimmten Zeitpunkt, und er endet zu einem bestimmten Zeitpunkt. Als ich selbst in der ersten Zeit meiner Selbstständigkeit im Home-Office saß, war es genau das, was mir fehlte: Das bewusste Beenden des Arbeitstages. Bei aller Selbstbestimmung stellte sich dort ein Gefühl nämlich nicht ein: Tür zu, Affe tot - und morgen geht's weiter. Nicht nur aus meiner eigenen Erfahrung heraus sehe ich auch eine gewisse Gefahr der Selbstausbeutung in der Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

 

Vor allem eine Typfrage?

Ich glaube, ob jemand gern 9-to-5 arbeitet oder nicht, ist vor allem eine Typfrage: Manche können sehr gut auf sich achten und arbeiten am besten komplett flexibel, andere brauchen eine gewisse Struktur, an der sie sich orientieren können. Das Gute heutzutage ist ja, dass die Gestaltung des Arbeitstages heute keine Frage der technischen Umsetzung ist (zumindest gilt das für viele Tätigkeitsbereiche und in den meisten Unternehmen). Vielmehr sehe ich darin eine ganz persönliche - und dieser Aspekt sollte in dieser Diskussion mehr in den Vordergrund rücken.

 

Unser Fazit:

Wir finden, die Arbeitswelt 4.0 mit ihren technischen Möglichkeiten hat viele positive Seiten. Der Tag kann an persönliche Termine oder Produktivitätszeiten angepasst werden. Home-Office macht konzentriertes Arbeiten außerhalb des Firmengeschehens möglich, Kinderbetreuung ist durch flexible Arbeitszeiten einfacher geworden. Aber, es hat auch seine Tücken: Wenn es keine klare Trennung mehr zwischen Arbeit und Privatem gibt, dann ist die Zeit der Erholung nicht mehr klar gesteckt. Hier ist sicher die Selbstdisziplin eines jeden gefordert, für sich selbst zu sorgen, und einfach mal „abzuschalten“, im wahrsten Sinne des Wortes…

 

Was denkt Ihr: Ist die flexible Arbeitszeitenregelung ein Segen - oder doch eher ein Fluch? Wie sind Eure Erfahrungen?

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