Frauenquote - ja oder nein?

Miteinander reden - voneinander lernen

Petra Siemoneit schreibt:

Im Moment wird ja über die Frauenquote heiß diskutiert. Ist diese Regelung nötig oder überflüssig? Dafür ist es sicher ganz interessant, überhaupt mal einen Blick darauf zu werfen, wie sich Frauen im Beruf – aus meiner Sicht - in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt haben. Ein kleiner Rückblick, wie es war, als ich mit meiner Ausbildung angefangen habe: Es gab typische Frauenberufe. Zum Beispiel Berufe in der Werbung. Im Handwerk oder IT waren wenige Frauen tätig. In Führungspositionen oder in Vorständen waren sie eine absolute Rarität. Und wenn sie dort tätig waren, hatten sie laut Aussage der Männer „Haare auf den Zähnen“.

Von Bescheidenheit zum Sichtbarmachen

Als Frau im Beruf war man „bescheiden“ und verstand es noch nicht, sich sichtbar zu machen. Will heißen: Tue Gutes - und belass' es dabei. Ich wäre als junge Frau nie auf die Idee gekommen, meine Erfolge groß in Kollegenrunden zu diskutieren, geschweige denn „hinauszuposaunen“. Erst in der Führungsposition habe ich gelernt, wie wichtig es ist, über seine Erfolge zu reden. Neues Motto: Tue Gutes und rede darüber. Ich muss jedoch gestehen, leicht ist es mir zuerst nicht gefallen. Generell beobachte ich, dass Frauen im Laufe der letzten Jahre selbstbewusster im Beruf wurden, und verstärkt lernten, sich sichtbar zu machen. Langsam wurde über Frauen in Führungspositionen diskutiert, Netzwerke bildeten sich, Diversity-Programme in Firmen wurden populärer. Das Thema rückte allmählich in die öffentliche Diskussion. Im mittleren Management wurden mehr offene Stellen mit Frauen besetzt. Allerdings: In den Vorstandsetagen oder anderen wichtigen Positionen im Management und in der Politik waren Frauen immer noch eher eine Rarität.


Und wie sieht es inzwischen aus?

Auf aktuellen Veranstaltungen „Frauen in Führungspositionen“, am Arbeitsplatz und in bekannten Unternehmen ist zu spüren, dass der weibliche Anteil deutlich größer geworden ist als noch vor einigen Jahren. Sicher ist aber noch immer „Luft nach oben“. Ob dies eine Quote regeln wird und kann? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.


Meine persönliche Meinung dazu:

Ich möchte nicht aufgrund einer Quotenregelung eine Chance auf eine Führungsposition erhalten, sehe aber auch, dass es schwierig ist, an der noch immer oft besser vernetzten „Männer-Lobby“ vorbeizukommen. Ich glaube und hoffe(!), dass dies ein Problem der eher traditionell geführten Unternehmen, Behörden und der Politik ist. In der jungen Start-Up- und Digitalfirmen-Szene entsteht eine andere Haltung zu Hierarchien und Gleichbehandlung der Geschlechter, die das Thema dort überflüssig macht, oder ….?


Liebe Petra,

ja, das hoffe ich doch ganz stark, dass die Frage nach der Quote sich irgendwann von selbst erübrigt! Gleichberechtigung und der Kampf dafür ist nicht mehr unbedingt ein Thema meiner Generation, zumindest nicht in meinem Umfeld - weil wir es für eine Selbstverständlichkeit halten, dass sich Männer und Frauen auf Augenhöhe begegnen. Den Vorkämpferinnen, denen wir dieses Denken zu verdanken haben, zolle ich dennoch großen Respekt. Ohne den Mut einiger weniger, sich offen für die Belange von Frauen einzusetzen, würden wir heute sicherlich nicht über eine Frauenquote diskutieren. Vor diesem Hintergrund kann ich den Ruf nach einer gesetzlichen Quotenregelung absolut nachvollziehen und unterstützen. Dennoch wünsche ich mir eigentlich eine Welt, in diese überflüssig ist, weil per se und unabhängig von Geschlecht und Lebensstil alle gleichberechtigt sind.


Quote allein reicht nicht aus

Dazu braucht es aber meiner Meinung nach mehr als nur eine Quote, die das Geschlechterverhältnis regelt. Vielmehr sollten die Bemühungen dahin gehen, sich von althergebrachten Denkweisen zu trennen, die zum Beispiel vorgeben, dass Karriere nur in Vollzeitjobs funktionieren kann, dass Führungspositionen nicht im Jobsharing besetzt werden können und dass nur ein "männlicher" Führungsstil erfolgreich sein kann. Was es also meiner Meinung nach viel eher braucht, ist eine veränderte Haltung, die individuelle Bedürfnisse akzeptiert und nach Lösungen sucht - statt zu stigmatisieren und Unterschiede zum Problem bzw. eine Frauenquote zur Herausforderung zu machen. Die Krux ist nur: So eine Haltung kann man, im Gegensatz zu einer Quote, nicht gesetzlich erzwingen - deswegen ist der (vorläufige) Weg über die Frauenquote hoffentlich der richtige, nicht nur den Frauenanteil in Vorständen, sondern auch das Denken in den Köpfen zu verändern.

 

Unser Fazit:

Eine Frauenquote ist nur bedingt eine Lösung. Wichtiger wäre es, Denkblockaden in Unternehmen zu lösen, wie die Ausführung einer Position ausgeführt werden kann.

 

Wie seht Ihr das? Wir freuen uns über rege Diskussionen und Kommentare!

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Kommentare: 2
  • #1

    Daniel (Mittwoch, 03 Juni 2015 10:31)

    Nein, eine Frauenquote braucht wirklich keiner. Warum, das habe ich in meinem Blogeintrag mal erläutert: http://www.ime-seminare.de/blog/weibliche-fuehrungskraefte-per-gesetz-keine-gute-idee/

  • #2

    Isabelle (Freitag, 05 Juni 2015 14:43)

    Lieber Daniel, danke für den Link - eine gute Ergänzung! Stimme dir absolut zu.
    Viele Grüße, Isabelle