Nur Bares ist Wahres - oder: Wie wichtig ist das Gehalt?

© Daniel Ernst
© Daniel Ernst

Isabelle Pfister schreibt:

Wenn ich mich mit Recruitern über die Bewerber der Generation Y unterhalte, höre ich immer wieder: Die haben unmögliche (weil unrealistische) Gehaltsvorstellungen! Kommen direkt von der Uni und wollen gleich das ganz große Geld verdienen. Das deckt sich nicht wirklich mit meinem Eindruck: Für mich macht es eher den Anschein, als wäre das Gehalt zwar ein wichtiger Faktor, aber eben nicht der Kriegsentscheidende. Das bestätigen Gespräche im Freundeskreis ebenso wie die Wertvorstellungen, die die (studentischen) Teilnehmer in meinen Selbstmanagement-Workshops kundtun. Was stimmt denn jetzt? Immer wieder belegen Studien: Statistisch betrachtet gibt's beides in meiner Generation. Die, denen ein hoher Kontostand wichtig ist - und die, für die Gehalt nur ein Hygienefaktor ist. 

Ich zähl' mich eindeutig zur letzten Gruppe, nicht erst seit ich selbstständig bin. Auch im Angestelltendasein war es mir zwar wichtig, von meinem Job leben zu können, deutlich mehr Gewicht hatten aber andere Faktoren: die Arbeitszeit zum Beispiel, die Atmosphäre im Team, oder auch die Gestaltungsmöglichkeiten, die ich hatte.

 

Mit anderen Worten: Gehalt ist keine Motivationsquelle mehr. Echt (weil intrinsisch) motiviert bin ich vor allem, wenn ich Spaß habe - und nicht, weil ich einen Extrabonus am Jahresende in Aussicht gestellt bekomme oder einen Tausender mehr im Monat. Klar ist es schön, sich einen schicken Urlaub leisten zu können - aber nicht um jeden Preis! Was sind schließlich sechs tolle Urlaubswochen im Vergleich zu 46 Wochen, in denen man neben dem Job keine Zeit mehr für andere Dinge hat, sich mit nervigen Kollegen rumschlagen muss und nur Dienst nach Vorschrift macht? Da mache ich doch lieber ein paar Abstriche beim Gehalt und habe dafür einen Job, der meine Bedürfnisse nach Work-Life-Integration, guter Zusammenarbeit und Selbstbestimmung berücksichtigt - und zwar tagtäglich. Allerdings: Im Idealfall kommt beides zusammen, intrinsische Motivation und ein hohes Gehalt. Aber nur Bares kann die Motivation nicht erzwingen.


Liebe Isabelle,

ja, ja das liebe Geld. Generell fallen mir sofort Themen wie Mindestlohn, gleiches Gehalt für gleiche Arbeit bei Frauen und Männern ein. Zum Glück ist da ja Bewegung zu erkennen, die auch in der Politik angekommen ist!

 

Ich finde ein gutes Gehalt schon wichtig – mit Steigerung nach Berufserfahrung und wertvollem Einbringen in das Unternehmen. Es ist also kein Selbstverständnis, sondern auch etwas, was man sich mit den Jahren erarbeiten sollte – jedoch, da gebe ich Dir Recht, nicht um jeden Preis. Auch für mich ist es wichtig in einem Unternehmen tätig zu sein, in das ich morgens mit einem Lächeln hineingehe. Wenn beides – Gehalt und Spaß - stimmt: umso besser!

 

Gute Bezahlung kann übrigens auch alternativ bedeuten: zusätzliche Leistungen wie mehr Freizeit, eine kostenlose Fahrkarte, ein Stellplatz für das Auto oder andere Vergünstigungen, die in die jeweilige Lebensphase hineinpassen. Alles ist ja letztendlich auch Verhandlungssache. „Bares ist Wahres“ stimmt also für mich nur bedingt. Heute gibt es einfach mehr Möglichkeiten, den Mitarbeiter zu entlohnen. Früher hat man nur ausschließlich an monetären Ausgleich gedacht. Übrigens, ganz cool finde ich Firmen, die ihre Mitarbeiter daran partizipieren lassen, wie das Lohngefüge aussehen soll – das nenne ich noch mal ganz anderes „selbstbestimmtes Arbeiten“. Diese Transparenz finde ich absolut erstrebenswert!


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