Die Gen Y und ihre Führungskraft - verlangen wir zu viel?

© Fearne - Fotolia.com
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Isabelle Pfister schreibt:

Man hört und liest ja immer wieder die wildesten Geschichten über die Generation Y und ihre Ansprüche an die Arbeitswelt. Insbesondere Führungskräfte fühlen sich teilweise offensichtlich arg unverstanden und beklagen eine unrealistisch hohe Erwartungshaltung "dieser undankbaren jungen Mitarbeiter". Dazu eine Anekdote: Letztens war ich zu einem Vortrag eingeladen, in dem ich dem Publikum die "Generation Y" näher bringen sollte. Bei allem Verständnis, das mir entgegen kam (auch dafür, dass es eigentlich gar nicht um meine Generation per se geht, sondern um ihre Werte, die auch Ältere teilen) - eine Grundaussage wurde immer wieder deutlich: "Die (also meine Generation, Anm. d. Verf.) erwarten zu viel und geben zu wenig!" Stimmt das? Erwarten wir wirklich zu viel?

Ich habe mich mal umgehört und recherchiert. Leute meines Alters wünschen sich von ihrer Führungskraft vor allem eins: Wertschätzung. Sie wollen nicht mehr in klassischen Hierarchien arbeiten und von oben Befehle entgegennehmen, sondern auf Augenhöhe mit ihren Chefs interagieren. Statt einfach nur stupide auszuführen, was ihnen aufgetragen wird, wollen sie auch verstehen, warum sie etwas tun sollen. Dabei machen sie am liebsten selbst Erfahrungen und wollen Wege selbst entdecken. Ähnlich wie Eltern, die ihren Kindern Radfahren beibringen, sollen Führungskräfte eingreifen, wenn's wackelt - aber nicht während des Prozesses am Rand stehen und ihre Mitarbeiter anbrüllen, dieses oder jenes zu tun. Der Chef soll Rückendeckung geben, ein Ziel vorgeben und die Leitplanken setzen - und die nicht, wie es ihm gerade passt, verschieben (in anderen Worten: Verlässlichkeit ist wichtig). Außerdem legen meine Peers Wert auf regelmäßiges und konstruktives Feedback: Schließlich wollen sie gerade am Anfang unseres Berufslebens wissen, wie sie sich schlagen und wo sie stehen. Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, wollen sich permanent weiterentwickeln und besser werden in ihrem Job, und das geht am besten durch ein ehrliches Feedback derer, mit denen und für die sie arbeiten.

 

Das klingt im ersten Moment tatsächlich nach einem ordentlichen Anforderungskatalog. Was sind "diese jungen Mitarbeiter" denn im Gegenzug bereit zu geben? Auch das ist nicht unwesentlich: Sie wollen mitdenken und ihren Beitrag leisten. Wenn sie erstmal verstehen, warum etwas wichtig ist, können und wollen sie eigene Ideen entwickeln und innovativ einbringen. Deshalb sind sie auch absolut loyal - wenn man ihnen auch genauso entgegenkommt. Die wenigsten machen sich Gedanken um Überstunden, wenn sie Spaß haben in ihrem Job und einen Sinn in der Mehrarbeit sehen. Kurzum: Fühlen sie sich ernst genommen und akzeptiert, sind sie bereit, ihr Bestes zu geben. Für mich klingt das nach einem fairen Deal.

Liebe Isabelle,

für mich klingt das alles sehr vertraut. Ich hätte fast nur geschrieben: so sehe ich das auch. Aber, so einfach ist das natürlich nicht. In den Anfängen meiner Arbeitszeit sind Führungskräfte noch unantastbar gewesen. Unfehlbar – möglichst nicht zu kritisieren, sonst „bist Du weg vom Fenster“. Schrecklich. Ich kenne auch noch Zeiten, wo man nicht mit bestimmten Hierarchien direkt sprechen „durfte“.

 

Zum Glück hat sich das alles verändert! Warum eure Generation als zu erwartungsvoll bezeichnet wird, ist – meiner Meinung nach – die Art, wie ihr auftretet: Selbstbewusst, offen, fordernd. Wir sind da noch etwas zurückhaltender erzogen worden. Allerdings finde ich völlig in Ordnung, was ihr fordert!

 

Endlich sind die Zeiten vorbei, dass Vorgesetzte – nicht mehr einfach agieren können wie sie wollen, sondern dabei kritisch beäugt werden. Sie sollten nicht laut Peter’s Prinzip (These von Laurence J. Peter, die besagt, dass in einer Hierarchie jeder Beschäftigte dazu neigt, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen) einfach so hochgelobt werden. Wünschenswert wäre, dass Unternehmen genau abwägen, ob die Person wirklich in der Lage ist zu führen. Die Forderung nach echter Führung setzt eine große Empathie für Menschen voraus, ein „Sich-selbst-Darsteller“ ist da falsch am Platz. Wünschenswert wäre eine Führungspersönlichkeit, die ihre Mitarbeiter wertschätzt, in dem sie vertraut, anstatt zu kontrollieren: Mitarbeiter selbst bestimmt arbeiten lassen, Feedback geben, Fehler zulassen. Eigenschaften, die bei den wenigsten „einfach so da sind“, sondern entweder durch Erfahrung aufgebaut sind oder durch gezielte Schulung der Vorgesetzten gefordert bzw. gefördert werden können. Denn – und da stimme ich Dir ebenfalls zu – Mitarbeiter, die sich gewertschätzt fühlen, haben mehr Spaß an der Arbeit und sind auch bereit, eine „Extrameile“ für das Unternehmen zu gehen. Nicht nur Mitarbeiter der Gen Y!

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