"New Work ist nicht nur Bestandteil hipper Berliner Startups"

Mein Wochenende begann mit einem Highlight: Der Filmpremiere von Augenhöhe, dem langersehnten Film über und für eine neue Arbeitswelt (im vergangenen Sommer berichtete ich bereits über das Projekt). Nun war es also so weit: An die 400 Menschen aus der ganzen Republik kamen in Hamburg zusammen. Dabei gab es nicht nur den Film zu sehen, sondern auch kluge Worte, Zeit für Dialog und Kennenlernen, leckeres Essen - und das alles an einem durchaus passenden Ort: Dem Museum der Arbeit, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Veränderungen in der Arbeitswelt aufzuzeigen. Aufregende 14 Monate lagen hinter dem fünfköpfigen Team: sechs Drehs, eine Crowdfunding-Kampagne, die dank 350 Privatpersonen und 20 Unternehmen überaus erfolgreich war, eine Nominierung für den New Work Award... Man kann erahnen, wie lang der Weg bis zum Premierenabend war, aber er hat sich gelohnt - hier mein Bericht:

Film und Dialog, das stand auf der Eintrittskarte - und genau das war auch Programm. Schon vor dem offiziellen Programm gab es viele bekannte Gesichter zu begrüßen, es schien, als seien wirklich alle aus der New-Work-Szene da: ein überdimensionales Klassentreffen. In der Begrüßung ging Silke Luinstra noch einmal auf die Entstehungsgeschichte des Projekts ein. Alles nahm seinen Lauf auf einem Wevent in Berlin, einer Open Space Veranstaltung des Netzwerks intrinsify.me. In der Session "Wie sehen Unternehmen im 21. Jahrhundert aus?" ging eine kleine Gruppe der Frage nach, welche Worte es für ein Manifest bräuchte. Schnell war die Idee da, statt eines Schriftstücks einen Film zu machen - was man beschreiben kann, kann man schließlich auch sehen. So fand sich das Kernteam zusammen, für das seitdem feststand: "Wir wollen das unbedingt machen!". Gesagt, getan: Nach einer ersten Drehanfrage bei Allsafe Jungfalke, auf die die ernüchternde Antwort "Wer will das denn sehen?" lautete, wurde ein Konzept geschrieben. Die Antwort des Unternehmens darauf: "Passt." - und so wurde der erste Dreh terminiert. Es entstand ein erster Trailer, die Community wurde aufgebaut. Besonders bestätigt, so Silke, habe das Team eine frühe Reaktion von Thomas Sattelberger. Was er schon früh angedeutet hat, sei jetzt sehr deutlich: Es gibt ein Bedürfnis nach Veränderung. Hoffentlich, fügte Silke hinzu, sei die Gesellschaft auch bereit dafür. Ich meine, die überwältigende Resonanz auf den Film und das ganze Projekt zeigt: Ja, es ist an der Zeit!


Für Lars Vollmer, der in seiner Laudatio viele warme Worte für das Projekt fand, macht der Film und das dahinter stehende Projekt ein "gigantisches Fass" auf. Er erfülle drei Zwecke: erstens erfülle der Film eine gesellschaftliche Relevanz, die kaum mehr aufzuhalten sei, zweitens dokumentiere er Fortschritt und drittens würde er Mut machen, neue Wege zu gehen. "New Work ist nicht nur Bestandteil hipper Berliner Startups", so Vollmer - und das zeigt der Film zweifelsohne. Es gehe in Zukunft darum, für alle Beteiligten (Mitarbeiter, Eigentümer und Kunden) wirtschaftlich tragbare Unternehmen zu gestalten - mit "Gutmenschentum" habe das recht wenig zu tun.


Und genau das zeigt der Film: Es werden sechs Unternehmen portraitiert, die unterschiedlicher nicht sein können. Allsafe Jungfalke zum Beispiel, ein Unternehmen, das Ladegut-Sicherungen herstellt und in dem es ganz normal ist, dass die Geschäftsführung regelmäßig den Kontakt zu Produktionsmitarbeitern sucht. Premium Cola, das aus einer Protestbewegung gegen Afri Cola heraus gegründet wurde. hhpberlin, spezialisiert auf Brandschutz, bei denen Führungskräfte "freie Radikale" heißen. Die psychosomatische Klinik SysTelios, die sich in therapeutischer Enthaltsamkeit auf organisationaler Ebene übt. Doch auch große Unternehmen sind dabei und zeigen, dass Veränderungen auch in DAX-Konzernen möglich sind: Im Learning Campus im Adidas Headquarter beispielsweise und in einem Unilever-Werk, in dem sich niemand hinter Hierarchien verstecken kann und Führungskräfte ihre Mitarbeiter durch Argumente erreichen... Aber ich will gar nicht zu viel vorwegnehmen: Hier geht's direkt zum Film.


Mein Fazit: Veränderung ist möglich, und sie hat viele Gesichter. Sie ist nicht beschränkt auf einige akademisierte Berufe, sondern ist genauso relevant für Produktionsmitarbeiter, Servicekräfte und Facility Manager. Augenhöhe zeigt das, ohne den moralischen Zeigefinger zu schwingen. Und ist dabei auch noch erfrischend humorvoll. Ich glaube fest daran, dass der Film, vielmehr aber noch der Dialog darüber, viel bewegen kann. Danke, liebes Augenhöhe-Team, für dieses Abbild einer Welt, die sich nicht nur die Generation Y wünscht!

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Kommentare: 2
  • #1

    Martin Bartonitz (Sonntag, 01 Februar 2015 18:30)

    Sehr schöner Bericht. Ich habe mir erlaubt, eine Passage als Zitat in meinen Bericht einzubauen:

    <a href="http://wirdemo.buergerstimme.com/2015/01/augenhoehe/">Augenzeugenbericht von der Premiere des Films AUGENHÖHE</a>

    Viele Grüße, Martin

  • #2

    easygeneration (Montag, 02 Februar 2015 15:22)

    Lieber Martin, danke für das Lob - ich fühl' mich geehrt, zitiert zu werden :)

    Viele Grüße
    Isabelle