Ist die Online-Szene der beste Arbeitsmarkt für die Generation Y? Ein Gastautor antwortet.

Andreas Hersdorfer
Andreas Hersdorfer

Wenn es in den Medien um die Generation Y geht, ist die Online-Szene als Arbeitgeber meistens nicht weit. Gern werden dann erfolgreiche Start-Ups wie Goodgame oder Jimdo vorgestellt, die mit flexiblen Arbeitszeiten, Feelgood-Managern und sogar einem firmeneigenem Pool aufwarten. Dass die Szene aber noch viel mehr Chancen bietet für die Generation Y (und alle anderen, die Lust darauf haben), weiß Andreas Hersdorfer. Als digitaler Nomade reist er um die Welt und verdient sein Geld als Webworker. Er berät Kunden aus der Reisebranche zum Thema Online Marketing und arbeitet außerdem als Webprogrammierer auf Projektbasis. Wenn er mal in Deutschland ist (das sind ca. 4 Monate im Jahr), bietet er außerdem Weiterbildungskurse an. Wer sollte sich da also besser eignen als er, über die Online-Szene und ihre Möglichkeiten für die Generation Y zu schreiben? Ich freue mich, dass Andreas heute als Gastautor hier über genau diese Themen schreibt:

Online-Szene als bester Arbeitsmarkt für die Generation Y?

Es ist kein Geheimnis, dass Millenials neue Anforderungen an die Karriere stellen. Schneller Einstieg, abwechslungsreiche, moderne Jobs mit der Möglichkeit, sich jederzeit ganz neu zu orientieren. Selbstverwirklichung statt gleichförmiger Akkordarbeit, so die Devise, an der sich immer mehr 20- bis 35-Jährige orientieren. Glücklicherweise bietet die Online-Welt genau diese Möglichkeiten. Nicht ohne Grund gehören viele digitale Nomaden zur Generation Y, besonders im Online Marketing ist ihr Anteil geradezu auffällig.

 

Weiterbildung als Grundstein: einige Beispiele

In der digitalen Szene gibt es traditionell viele Quereinsteiger. Das war schon damals so, in den 70ern, als die IT-Branche geboren wurde, aber noch gar keine Informatik-Studiengänge existierten, und das ist auch heute noch so, in Zeiten von SEO, SEM und anderen Bereichen des Online Marketings. Studiengänge in diese Richtung sind bislang sehr überschaubar, gerade an den großen Unis herrscht Nachholbedarf. Dennoch gibt es bereits Möglichkeiten für digitale Nomaden, sich weiterzubilden. Und zwar quer durch die Republik:

  • An der HMKW in Hamburg gibt es einen Zertifikatskurs für digitales Marketing, auch Suchmaschinenoptimierung und Social Media Marketing werden behandelt, der Studiengang findet an insgesamt sieben Wochenenden statt.
  • Das Düsseldorfer Studieninstitut für Kommunikation bietet die Fortbildung zum Online Marketing Manager an, die Dauer beträgt zwölf Monate, am Ende steht ein offizieller IHK-Abschluss.
  • An der Münchener Macromedia Akademie kann man sich in 21 Wochen zum Online Marketing Professional weiterbilden lassen, auch dort richtet sich das Angebot an Berufstätige aus der Online Branche.
  • Ebenfalls in München: Die Münchner Marketing Akademie in Schwabing bietet eine siebenmonatigen Studiengang zum Online-Marketingwirt (MMA) an, die letzten beiden Monate entfallen auf die Diplomarbeit.
  • Die Hauptstadt ist als wichtigster Startup-Standort Deutschlands natürlich ebenfalls dabei, unter anderem mit Campus Berlin, wo die Weiterbildung zur Fachkraft für Online Marketing angeboten wird.
  • Die Deutsche POP (spezialisiert auf Musik und Medien) bildet in einem Jahr zum Online-Marketingmanager aus. Die Ausbildung erfolgt in zwei Schritten zu je sechs Monaten: Zunächst die Ausbildung zum Marketingmanager, dann zum Online-Marketingmanager. Pluspunkt: Die POP hat Standorte in neun deutschen Großstädten sowie in Wien.

Was fällt auf?

Wie eingangs schon erwähnt: Das Studien- und Fortbildungsangebot beschränkt sich ausschließlich auf private Lehreinrichtungen, die IHK ist bereits eine große Ausnahme. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, zeigt jedoch ein Problem auf: So existieren für Studiengänge und Weiterbildungen im Online-Bereich kaum einheitliche Richtlinien. Bedeutet: Struktur und Inhalte können sich je nach Institut unterscheiden, auch wenn die grundlegende Richtung immer dieselbe ist. Vor der Anmeldung gilt es also, Erfahrungswerte zu sammeln. Ehemalige Absolventen können über die Qualität des Lehrangebots berichten, sei es online oder im echten Leben. Auch dorthin verlieren sich digitale Nomaden schließlich hin und wieder.

 

Lernen on- und offline

Notwendig ist das allerdings nicht, nicht einmal, wenn es um die Fortbildung geht, denn immer mehr Lehrinhalte werden als Online-Kurse angeboten, zum Beispiel an der SMA (Social Media Akademie) in München, wo auch aktuelle Boom-Themen wie Content Marketing schon per Online-Vorlesung behandelt werden. eLearning wird damit um eine weitere Facette ergänzt: das Social Learning, bei dem innerhalb einer Online-Community gelernt wird. Angesichts voller Hörsäle in den altehrwürdigen Unis und der immer größeren Digital-Affinität ein Trend, der in Zukunft sicherlich noch zunehmen wird. Passend dazu haben Institute wie das Wiener MDI ein neues System entworfen, um den Lerntransfer besser zu integrieren. Über eine webbasierte Plattform können e-Learning Tools ohne großen Aufwand allen Beteiligten zugänglich gemacht werden, die Lerneffizienz steigt dadurch. Für Unternehmen bedeutet das eine neue Methode, die eigenen Mitarbeiter kostengünstig und effektiv weiterzubilden.

 

Seminare als Feinschliff

Nun hat nicht jeder die Zeit oder den Bedarf für ein mehrmonatiges Studium inklusive Prüfungen und Abschlussarbeit. Wer sein Wissen in speziellen Gebieten vertiefen will, ist mit Seminaren gut bedient. Diese dauern meistens nur zwischen einem und drei Tagen, behandelt wird stets ein spezifisches Thema, zum Beispiel AdWords-Optimierung oder Analytics-Basics. Seminare dieser Art sind praxisnah und direkt am Thema orientiert, sie können deswegen unmittelbar im Job eingesetzt werden. Der Mehrwert kommt also direkt zum Tragen.

 

Generation Y profitiert von der Branche

Die neue Arbeitswelt rund um das Online Marketing und andere digitale Berufe ist geradezu maßgeschneidert für die Generation Y. Selbst ganze Studiengänge dauern nur Wochen oder Monate statt Jahre, Fortbildungen, Kurse und Seminare sind noch wesentlich kürzer. Sie liefern in wenigen Tagen eine Basis für effektives Arbeiten, der Rest geschieht über Learning by Doing, Fachaffinität vorausgesetzt. Dieser Trend steht im Einklang mit dem heutigen Bewusstsein: Direkt anpacken und sich laufend verbessern, anstatt jahrelang zu studieren und dabei immer nur in der Theorie zu verweilen. Es ist deswegen nur logisch, dass ein Großteil aller digitalen Jobs mit Menschen aus der Generation Y besetzt sind, oder umgekehrt, dass Millennials sich vorwiegend an solchen Berufen orientieren, da diese Arbeitskultur einfach perfekt zu Zeitgeist und Lebensgefühl passt.

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