DenkanStoos Unkonferenz: „(Un-)geführt – Welches Management brauchen Ihre Mitarbeiter?“

Vor zwei Jahren wurde im kleinen Ort Stoos in der Schweiz ein Netzwerk gegründet, das es sich zum Ziel gesetzt hat, durch den interdisziplinären Austausch von Erfahrungen die Arbeitswelt zu verbessern und den oft komplexen Herausforderungen der heutigen Zeit anzupassen: für eine erhöhte Wirtschaftlichkeit, zufriedene Kunden und motivierte Mitarbeiter. Dieses Netzwerk ist relativ schnell gewachsen und hat mittlerweile zahlreiche "Satellites" in aller Welt. Allein in Deutschland gibt es mehrere Stoos-Gruppen; am Wochenende fand in Hamburg die erste Unkonferenz zur Frage "(Un-)geführt - Welches Management brauchen Ihre Mitarbeiter?" statt. Knapp 50 Teilnehmer, überwiegend aus dem IT- und Internet-affinen Umfeld kamen zusammen, um sich über neue Ansätze im Management auszutauschen und Impulse zu erhalten.

Raus aus dem Vollbad!

Der entscheidende Aspekt für die Veranstaltung dieser Konferenz wurde vom Moderator Markus Wittwer eingangs sehr bildlich dargestellt: man habe in der Hamburger Stoos-Gruppe (#denkanstoos) beschlossen, es sei zwar sehr schön und heimelig, im warmen Vollbad zu liegen, allerdings würde doch langsam die Haut schrumpelig und man wolle mal raus aus der eigenen Blase. Was für ein Glück für uns Teilnehmer - so kamen wir in den Genuss einer erfrischenden Dusche!

Keynotes: Über Glückskekse und rote Legosteine

In der ersten Keynote nahm Nadine Waibel den Zusammenhang zwischen Glückskeksen und Mitarbeitermotivation kritisch unter die Lupe und berichtete von ihren Erfahrungen in verschiedenen Logistikzentren. Erstes Learning: Wenn die Personalabteilung sich mit Glückskeksen bei den Mitarbeiter für deren Arbeit bedanken will, sollte sie darauf verzichten, auf die Spruchzettel die Firmenphilosophie zu drucken. Zweites Learning: Will man wahrhaftig Kultur verändern und intrinsische motivierte, selbstbestimmte und eigenverantwortliche Mitarbeiter, dann sollte man als Geschäftsführung bei sich selbst anfangen. Denn nur wenn Menschenbild und Haltung passen, kann man Begegnungen so gestalten, dass aus der Führungskraft ein Berater, Lernbegleiter und Impulsgeber wird. Dass das nicht nur mit "Kopfarbeitern" gelingen kann, zeigte Nadine anhand zahlreicher Beispiele aus dem Logistikbereich.

 

In der zweiten Keynote gaben Horst Karaschewski (Abteilungsleiter HanseMerkur Versicherungen) und Christian Weiss (Holisticon) sehr offene Einblicke in die Gründung und den Aufbau von red6 - einer agilen IT-Tochter der HanseMerkur. Eindrucksvoll stellten sie ihre Vorgehensweise dar und zeigten, wie auch in einem Konzern Agilität gelebt werden kann. Key Learnings: Kommunikation und Offenheit, denn Kultur lässt sich nicht verordnen (vielmehr geht es darum, die passenden Leute ins passende System zu setzen). Ein weiterer, nicht unwesentlicher Hinweis: Wenn man eine neue Kultur durch die Mitarbeiter formen will, kostet das, neben der eigentlichen Arbeit, auch Ressourcen.

Und dann wurde es ganz konkret: im pro Action Café

In der letzten Einheit der Unkonferenz wurde es angenehm konkret (und sehr erfrischend): Neun Personen konnten ihre aktuellen Projekte vorstellen und sich in drei Runden von allen anderen Teilnehmern unterstützenden Input dafür einholen. Die Themen waren dabei höchst divers: es ging um Führung eines Betriebsrates und die Frage, wie man "neue" Managementmethoden dort einbringen kann, es wurden Vernetzungs- und Plattform-Ideen besprochen (und verworfen), Filmprojekte vorgestellt, und über Wertbildungsrechnung, die Implementierung neuer Kulturen und die Motivation angstgetriebener Führungskräfte diskutiert - ein bunter Strauß an Themen, die zeigen: es bewegt sich was in der Arbeitswelt, und es sind längst nicht mehr nur hippe Startups, die was verändern wollen - für mich das wichtigste Learning der Unkonferenz überhaupt.

 

In diesem Sinne noch einmal ein großes Danke an die Organisatoren für diesen Tag, an dem sie die Badewanne gegen eine Dusche ausgetauscht haben - das hat sich gelohnt!

 

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