Die Lösung des "clash of cultures": Die Generation Y als Kultur verstehen

© aliasching - Fotolia.com
© aliasching - Fotolia.com

Wenn es um die Generation Y und ihren Eintritt in die Arbeitswelt geht, sprechen viele vom "clash of cultures". Gemeint ist damit das "Aufeinanderprallen" zweier Kulturen, die gegensätzliche Meinungen vertreten und unterschiedliche Werte und Prioritäten haben. Manchmal wird es auch als "Kampf" zwischen den Kulturen übersetzt, ein sehr starker Begriff, der ganz gut zum kriegerischen Bild des "war for talents" passt. Kein Wunder, dass mich letztlich jemand als "Kriegsberaterin zwischen den Fronten" bezeichnet hat... Der Begriff "clash of cultures" birgt dabei aber nicht nur die Gefahr, ein sehr bedrohliches Bild in den Köpfen entstehen zu lassen. Vielmehr bietet der Vergleich mit dem Aufeinandertreffen zweier fremder Kulturen Handlungsansätze, die eigentlich schon jahrelang bekannt sind und immer dann zum Einsatz kommen (sollten), wenn ein Unternehmen interkulturell tätig ist. Wenn es also z.B. Expatriats aussendet, um die Zusammenarbeit mit einem Geschäftspartner vor Ort zu koordinieren, oder wenn es eine Niederlassung im Ausland eröffnet, oder wenn es Mitarbeiter aus verschiedenen Kulturen beschäftigt... Wie wäre es denn, wenn man auch die Generation Y im Unternehmen als andere Kultur verstehen würde?

Berufseinstieg als Kulturschock

Was viele jüngere Menschen beim Eintritt ins Arbeitsleben erleben, gleicht einem Kulturschock: viele bekannten Symbole und Zeichen funktionieren nicht mehr in sozialen Interaktionen. Die (älteren) Kollegen haben eine andere Sprache, sie interagieren nicht über die gleichen Kommunikationswege, sie haben andere Gewohnheiten. Zur Unsicherheit in der Kommunikation gesellt sich häufig die Unvertrautheit mit der neuen Umgebung. Je nach der Größe des Unternehmens kann es schon eine Zeit dauern, bis man den Weg zur Kantine ohne fremde Hilfe findet. Kurzum: sie haben Anpassungsschwierigkeiten, als wenn sie in ein fremdes Land reisen, dessen Sprache sie nicht sprechen. Daraus ergeben sich unterschiedlichste negative Folgen. Übrigens: der Kulturschock als solches ist ein medizinisch anerkanntes Krankheitsbild und findet sich im ICD-10 wieder. Symptome: Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Leistungsdefizite, Kreativitätsabfall, erhöhter Alkoholkonsum (sic!).

 

Ein einfaches Modell, dem Kulturschock entgegen zu wirken

Es ist ja nicht nur so, dass die jungen Berufseinsteiger einen Kulturschock erleiden. Auf der anderen Seite erzeugen sie ebenso häufig nur Unverständnis und Kopfschütteln, so recht weiß keiner was anzufangen mit dem anderen und was darunter leidet, ist die Zusammenarbeit. Doch dazu gibt es ein einfaches Modell aus der interkulturellen Psychologie, das Abhilfe verspricht:

 

Verstehen > Verständnis > Vertrauen > Verbundenheit

 

So simpel wie es klingt, und doch einleuchtend: Den anderen mit all seinen Normen, Werten und Verhaltensweisen zu verstehen, schafft Verständnis. Daraus ergeben sich realistische Verhaltenserwartungen, die erfüllt werden und so Vertrauen schaffen. Und wer sich vertraut, fühlt sich verbunden. Läuft der interkulturelle Kontakt schief, passiert genau das Gegenteil: Der andere wird als fremdartig erlebt. Aus dem mangelnden Verständnis ergeben sich unrealistische Verhaltenserwartungen, die natürlich auch nicht erfüllt werden können. Es wächst das gegenseite Misstrauen und irgendwann eskaliert das Ganze.

 

Leute, redet miteinander!

Noch einfacher als das 4V-Modell: Kommunikation hilft. Ihr wollt verstehen, warum die Manschettenträger in eurem Unternehmen so viel Wert auf Zahlen, Daten und Fakten legen? Warum es ihnen so wichtig ist, dass ihr von 9 bis 18 Uhr auf jeden Fall im Büro seid? Und warum ihr auch im schönsten Sommer in Anzug bzw. Kostüm (und bitte immer mit Strumpfhose!) ins Büro kommen sollt? Dann sprecht mit ihnen! Und im Umkehrschluss: Sie wollen wissen, warum ihre Mitarbeiterin nur 30 Stunden in der Woche arbeiten möchte, obwohl sie gar keine Kinder hat? Was den gerade erst eingestellten Trainee dazu veranlasst, eine Mail an der Vorstandsvorsitzenden zu schreiben um ihn auf die Missstände in der Kantine hinzuweisen? Und warum Ihre jungen Kollegen gar kein Problem damit haben, nach Feierabend noch eine Mail zu schreiben, dann aber auch tagsüber ihre Freizeitaktivitäten über Facebook koordinieren wollen? Suchen Sie das Gespräch! Übrigens: Hier ist echte Kommunikation der Schlüssel. Echt wie in: sich gegenüber sitzen, einander in die Augen gucken, dem anderen Fragen stellen und den Antworten zuhören. Nicht: Mal im Aufzug, während man noch schnell eine Mail schreibt, mal fragen, wie das Wochenende war und beim Verlassen des Fahrstuhls die Antwort schon vergessen haben.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0