Wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht...

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Wer kennt das nicht: diese Tage, an denen man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, an denen man so festgefahren ist in seinen Gedanken, dass man einfach nicht voran kommt und die einfachste Lösung nicht erkennt? Was dann hilft, haben verschiedene Studien aus der Positiven Psychologie herausgefunden: eine positive Grundhaltung. Diese, so die Wissenschaftler, erweitert das Bewusstsein, fördert die abstrakte Sichtweise (damit sieht man dann den Wald auch wieder) und steigert Kreativität, Spontanität und Problemlösefähigkeit. Barbara L. Fredrickson beschreibt das in ihrem (übrigens sehr empfehlenswerten) Buch Die Macht der guten Gefühle als "Broaden-Effekt". Sie geht davon aus, dass Emotionen die Wahrnehmung beeinflussen und insbesondere positive Gefühle eine positive Aufwärtsspirale in Gang setzen, die wiederum ressourcenfördernd und motivierend wirkt.

Wissenschaftlich belegt: Der Broaden-Effekt

Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien, die den Broaden-Effekt belegen. Zwei möchte ich an dieser Stelle vorstellen, weil sie zeigen, wie relevant eine positive Grundhaltung auch im beruflichen Kontext sein kann. Die erste Studie stammt von der UC Berkeley Haas School of Business: Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Arbeitsweise von Managern unter Einfluss einer positiven Grundhaltung verändert. Das Ergebnis: Die Manager haben bessere Entscheidungen getroffen, die Zusammenarbeit mit Kollegen und Mitarbeitern wurde effektiver, und ihre positive Einstellung hat auch ihre Mitarbeiter angesteckt, deren Arbeitsleistung dadurch ebenfalls verbessert wurde. In der zweiten Studie, die an der Kellogg School of Management an der Northwestern University durchgeführt wurde, haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass eine positive Einstellung auch in komplexen Verhandlungen zu besseren Abschlüssen (also mehr Zugeständnissen, bessere Konfliktlösungen und kooperativerer Zusammenarbeit) führt.

 

Wie kann man den Broaden-Effekt erzeugen?

Das ist natürlich nicht so einfach, schon gar nicht durch reine Vorstellungskraft. Wenn wir versuchen, nur durch Gedanken einen stechenden Schmerz im Schienbein zu erzeugen, gelingt uns das ja auch nicht (zumindest in den meisten Fällen) - dazu müssen wir schon das Bein vor eine Kante schlagen oder sonst irgendwie von außen einwirken. Um eine positive Grundhaltung zu erzeugen, muss man also aktiv werden. Dabei gibt es eine breite Palette an positiven Emotionen, die wir dazu nutzen können: Freude, Dankbarkeit, Heiterkeit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen, Inspiration, Ehrfurcht, Liebe - all diese Gefühle können unsere Stimmung verbessern und so unseren Blick weiten. Es gilt, herauszufinden, welche Hebel es gibt. Das kann sein, eine Situation umzudeuten (Reframing ist hier das Stichwort aus dem Coaching), also sie positiv zu bewerten; das kann auch bedeuten, sich täglich in Mediation zu üben. Für mich sind es oft Orte, die mich positiv stimmen und mir helfen, den Wald zu sehen...

 

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