Und, wen oder was coachen Sie?

© ferkelraggae - Fotolia.com
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In dieser Woche habe mit verschiedenen Menschen an verschiedenen Stellen mal wieder die Gretchenfrage meiner Profession diskutiert: Was ist eigentlich Coaching? Wo fängt es an, wo hört es auf, wann wird Mentoring zum Coaching, und was ist die Abgrenzung zur Beratung? Man kann diese Fragen stundenlang hin- und herwälzen; die Krux an der Sache ist: der Begriff ist nicht geschützt und wird deswegen sehr vielfältig und kreativ eingesetzt. So gibt es Business-Coaches, Life-Coaches, Health-Coaches, Karriere-Coaches, Personal Coaches, Stimm-Coaches... Böse Zungen deuten sogar ein althergebrachtes Sprichwort um und bringen damit zum Ausdruck, was sich manchmal tatsächlich aufdrängt: Wer nichts wird, wird Coach. Ich bin der Überzeugung: Es ist alles nur eine Frage der Definition.

Jedem das Seine

Coaches gibt es viele. Im Tatort gab es letztens sogar eine Coacherin - ein Begriff, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellen (ich finde, man kann auch hier die Political Correctness - Debatte zu weit führen*). Nun, jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was Coaching ist. Ich werde mich hier, gerade weil der Begriff nicht geschützt und damit klar und eindeutig definiert ist, nicht hinstellen und meine Vorstellung als die einzig Wahre verkaufen. Aber ich möchte doch einmal weiter ausholen, um die in Fachkreisen gefürchtete Frage "Und, wen oder was coachen Sie?" zu beantworten.

 

Jeden, der ein Anliegen hat

...wäre die kurze Antwort. Tatsächlich steht die Anliegenklärung im systemischen Coaching, das ich praktiziere, an erster Stelle. Dazu wird die Ist-Situation so ausführlich wie nötig beschrieben und die Soll-Situation eruiert. Erst wenn ich weiß, was genau mein Auftrag ist, den mir mein Coachee (auch: Klient, Kunde) gibt und unsere Vorstellungen von diesem Auftrag ähnlich sind, kann ich mit dem Coaching loslegen. Tatsächlich ist es häufig schon so, dass sich allein mit der Zielklärung viele Anliegen auflösen. Wenn nicht, geht es im nächsten Schritt darum, Handlungsoptionen zu erweitern und so - idealerweise - eine (oder mehrere) Lösung(en) zu finden und den Weg zum Ziel konkret zu planen.

 

Vielfältige Methoden

Methoden, die zum Einsatz kommen, können vielfältig sein. Es gibt unterschiedliche Fragetechniken, Skalen, Metaphern und Feedbackmethoden, die zum Einsatz kommen können. Entscheidend ist, dass all diese Methoden den Coachee selbst zum Denken anregen sollen. Im systemischen Coaching ist nämlich der Coachee, und nicht der Coach, Experte für das Problem - und damit auch für die Lösungsfindung. Das ist der wahrscheinlich grundlegendste Unterschied zur klassischen Beratung: Ich als Coach gebe keine Ratschläge (den "Rat-schläge sind auch Schläge", so die am häufigsten gehörte Aussage in meiner Coaching-Ausbildung). Ressourcenorientierung, Perspektivwechsel und Wertschätzung sind die wohl wichtigsten Wirkfaktoren im Coaching.

 

Coaching ist nicht Beratung und nicht Mentoring.

Wie schon gesagt, als Coach verteile ich keine Ratschläge. Auch meine eigenen Erfahrungen spielen im Coaching (im Gegensatz zum Mentoring) keine Rolle - denn ich gehe davon aus, dass in der Welt meines Coachees andere Gesetze gelten als in meiner. Natürlich bietet es sich hin und wieder an, Ideen ("Hypothesen") im Gespräch zu äußern. Diese werden aber sehr vorsichtig formuliert und nicht als alleingeltende Wahrheiten verkauft; also "ich könnte mir vorstellen, dass Ihnen xyz helfen könnte" statt "probieren Sie xyz, und Ihre Probleme sind gelöst". Je nach Haltung können sich solche Coaching-Elemente natürlich auch im Mentoring und in der Beratung wiederfinden und wirken - umgekehrt sollten aber beratende Inhalte deutlich als solche gekennzeichnet werden. Die Grenzen können hier sehr schwammig werden; wichtig ist, dass der Coach/Mentor/Berater hier den Überblick behält.

 

Wer noch mehr wissen will oder sich selbst für ein Coaching interessiert, kann hier gern Kontakt zu mir aufnehmen.

 

*aus diesem Grund und der Einfachheit halber verwende ich hier nur die männliche Form, möchte damit aber nicht zum Ausdruck bringen, dass ich meine weiblichen Leser nicht im Blick habe und ansprechen möchte.

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Kommentare: 2
  • #1

    Oliver Gäbel (Freitag, 11 April 2014 12:00)

    Vielen Dank für diese kurze und nachvollziehbare Erklärung. Sehr gut gemacht. Hat mich schlauer gemacht!
    beste Grüsse, Oliver Gäbel

  • #2

    easygeneration (Freitag, 11 April 2014 12:10)

    Danke, das freut mich :)