Eine Replik auf die Replik: Manfred Schwaiger in der aktuellen Zeit

In: Die Zeit - Nr. 14/14
In: Die Zeit - Nr. 14/14

In dieser Woche komme ich nicht umhin, auf einen Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeit zu antworten. Es handelt sich um Manfred Schwaigers Antwort auf Kerstin Bunds Artikel vor einigen Wochen und ihr Buch, das ich hier bereits besprochen habe. Manfred Schwaiger ist 1963 geboren und gehört damit zu der Generation der Babyboomer. Er leitet das Institut für Marktorientierte Unternehmensführung an der Ludwig-Maximilians-Universität München und hat unumstritten bestimmt viel Ahnung über Marketing, Kommunikation und alles, was an seinem Institut so relevant ist - die Generation Y hat er, bei allem Respekt, nicht verstanden. Im Gegenteil, aus seinem Artikel klingt für mich vor allem Verbitterung, und vielleicht auch ein bißchen Neid. Statt offen zu sein für Veränderungen, die für alle Generationen, also auch für die Babyboomer, gewinnbringend sein können, erkennt er die Chancen nicht und holt den moralischen "Das hat schon immer so funktioniert, warum sollen wir es jetzt anders machen"-Zeigefinger heraus.

 

Punkt 1: Head down and deliver?

Manfred Schwaiger meint, Stellen, in denen man selbstbestimmt tätig sein kann, gibt es schon - in den Führungspositionen. Dahin kamen Babyboomer und Generation X vor allem, weil sie ihren Kopf gesenkt und geliefert haben; und genau denen und dieser Einstellung hätten wir es zu verdanken, dass Deutschland wirtschaftlich so erfolgreich sei. Dazu fallen mir zwei Gegenargumente ein. Zum einen: die Erfolgsgeschichte von dm, wo Menschen im ganzen Unternehmen selbstbestimmt arbeiten und damit ziemlich großen Erfolg haben. Und dm ist ja mittlerweile kein Einzelfall mehr. Zum anderen: Woher wollen Sie, Herr Schwaiger, wissen, dass nicht auch andere Wege zum Erfolg führen - wenn Sie nie andere Wege erprobt haben? Warum sollen wir nicht wagen, mit "unglaublicher Anstrengung" statt mit Dienst nach Vorschrift und gesenktem Kopf einen Output zu erzeugen, der mit Ihrem mithalten kann? Beweisen nicht zahllose Start-ups, die genau mit dieser Anstrengung gestartet wurden und sich mittlerweile eine ansehnliche Position auf dem Weltmarkt erarbeitet haben (z.B. sugru oder myboshi) das Gegenteil?

 

Punkt 2: Wir wollen keine Blaupause!

Ganz bestimmt wollen wir keine 1-zu-1-Anweisung, wie wir erfolgreich sein können. Wir werfen auch niemandem vor, alles falsch gemacht zu haben. Wir nehmen uns aber das Recht heraus, die Erfahrungen der älteren Generationen kritisch zu hinterfragen und vielleicht etwas anders zu machen. Dazu suchen wir den freundschaftlichen Kontakt mit denen, die Herr Schwaiger als Mentoren beschreibt: Wir wollen verstehen, warum sie etwas so gemacht haben, wie sie es gemacht haben, was daran gut funktioniert hat und was vielleicht auch nicht. Warum nicht mal auf Augenhöhe diskutieren, statt in hierarchisch organisierten Beziehungen ungefragt Befehle entgegen zu nehmen, und so besser werden? Übrigens: Mentoring muss auch nicht als Einbahnstraße verstanden werden, sondern kann durchaus dazu führen, dass beide Seiten profitieren...

 

Punkt 3: Ein auf Wachstum basierendes Sozialsystem?

Mh, ich habe bisher nicht den Eindruck, dass ich von meiner gesetzlichen Rente irgendwann mal gut leben und mich mit spätestens 65 zur Ruhe setzen kann. Muss ich aber auch nicht, wenn ich sinnerfüllt arbeite und Spaß dabei habe. Vielleicht will ich dann sogar arbeiten, bis ich 70 oder noch älter bin - weil Geld nicht das Einzige ist, was mich motiviert.

 

Punkt 4: Feedback bedeutet nicht Lobhudelei

Ja, wir wollen Feedback. Nein, wir wollen nicht gelobt werden, wenn wir es nicht verdient haben. Was wir wollen, ist ein ehrliches, freundlich und wertschätzend formuliertes Feedback zu unseren Leistungen, um uns weiterzuentwickeln. Denn entgegen Herrn Schwaigers Eindruck wollen wir auch viel leisten (und uns nicht nur anstrengen) - nur wollen wir an unserer Arbeit nicht zugrunde gehen und keine Zeit mehr für unsere Familien haben.

 

Fazit: Lasst uns doch an einem Strang ziehen!

Um es mal ähnlich plakativ zu beschreiben: Nur weil ihr keinen Spaß hattet, müssen wir darauf verzichten, die Chance zu nutzen, das zu ändern? Wir haben nun mal, im Gegenteil zu den Vorgängergenerationen, den demografischen Wandel auf unserer Seite. Für die meisten von uns wird es nicht zu teuer, strukturelle Änderungen einzufordern; für viele von uns ist das durchaus realistisch. Und dabei wollen wir gar nicht alles von euch vorgekaut haben, wir wollen euch auch nichts wegnehmen - sondern mit euch gemeinsam die Arbeitswelt verbessern. Auch für euch - wenn ihr es denn zulasst.

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