Die Beziehung zwischen Work und Life: Balance, Blending oder Bullshit?

© Carola Vahldiek - Fotolia.com
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In dieser Woche gibt es nur einen Blogartikel. Bei mir kommt in dieser Woche nämlich alles auf einmal: runde Geburtstage in der Familie, wichtige berufliche Termine und auch daneben noch ein Schreibtisch voll Arbeit (vom überquellenden Wäschekorb ganz zu schweigen). Meine Work-Life-Balance ist nicht im Gleichgewicht, sie ist übergewichtig. Und wie eine Balance fühlt sie sich auch nicht mehr an. Den Begriff sehen ja eh viele Menschen kritisch. Wenig Zeit und passende Gelegenheit für mich, ihn mal von allen Seiten zu beleuchten: geht es um Balance, Blending oder ist das alles, wie Thomas Vašek im gleichnamigen Buch (und im Blog dazu) postuliert, nur Bullshit?

 

 

Work-Life-Balance

Die Schwierigkeit an diesem Begriff, so viele Kritiker, ist, dass sie eine klare Trennung voraussetzt: da gibt es ein Arbeits- und ein Privatleben, und beide existieren nebeneinander, ohne Überschneidungen. Ist das noch zeitgemäß? Nein. Zumindest nicht in einer Welt, in der jeder mit dem Smartphone in der Hand morgens aufwacht und in der der letzte Blick abends auch auf ebendieses fällt. Würde man beide Bereiche strikt trennen, würde das bedeuten: Facebook, private Nachrichten über Whatsapp und Zalando-Bestellungen nur in der Freizeit; Arbeitsmails, berufliche Themen und Telefonate nur in der Arbeitszeit. Wobei Arbeitszeit dann als Präsenzzeit am Arbeitsplatz verstanden werden müsste. Das wollen die wenigsten Arbeitnehmer heutzutage, und die Unternehmen können das auch nicht wollen.

 

Work-Life-Blending

Dieser Begriff geht davon aus, dass die Bereiche sich überlappen - und erscheint damit passender als die Balance. Arbeit und Privatleben vermischen sich, oft unweigerlich und ohne dass wir es unbedingt merken. Die Gefahr dabei: die Effizienz leidet, weil wir uns keine zeitlichen Grenzen setzen - sowohl für berufliche, als auch für private Aufgaben. Das kennt doch jeder: Haben wir den ganzen Tag Zeit, die Wohnung zu putzen, dauert es auch so lange - haben wir nur zwei Stunden, schaffen wir das auch. Zeitliche Grenzen helfen, effizient zu arbeiten; vor allem, wenn es darum geht, Dinge abzuarbeiten.

 

Alles Bullshit?

Ich gehe mit Thomas Vašek, wenn er sagt, die Trennung von Arbeit und Leben ist Blödsinn. Es suggeriere nämlich, dass es ein gutes Leben nur nach Feierabend gäbe und der Rest lediglich lästige Pflicht ist. Dem stimme ich zu: Eine "gute Arbeit" (sprich: eine Arbeit, bei der wir unser Potential entfalten können) ist wichtig für ein sinnerfülltes Leben. Trotzdem halte ich es für bedeutend, Arbeit und Leben auch trennen zu können, um die innere Balance zu erhalten.

 

Meine Lösung: Work-Life-Integration

Deswegen mag ich das Wort Work-Life-Integration. Es bedeutet für mich, Arbeit und Leben auf kluge Art und Weise - ressourcenorientiert - miteinander zu verknüpfen, aber nicht zu sehr zu vermischen. Es macht mir nämlich nichts aus, auch abends meine Mails zu checken - wenn ich aber dabei gerade auf einer Familienfeier bin oder mich mit Freunden treffe, ist das nicht gut für mein Wohlbefinden. Die Herausforderung, Arbeit und Privates gut unter einen Hut zu kriegen, ist also vor allem eine Herausforderung an mich selbst. Ich muss die Integration aktiv steuern, damit ich gut leben kann - und das ist in Zeiten von Smartphones schwer geworden. Damit es dennoch gelingt, hilft es, die beiden Bereiche in Einzelteile (z.B. Präsentation fertigstellen, Yogakurs besuchen, Kunden anrufen, Mail an Freundin schreiben)  zu zerlegen und in der vorhandenen Zeit zu verteilen - dann klappt das schon mit der Balance.

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