FOMO - ein weitverbreitetes Phänomen in der Generation Y

Bei der Lektüre des neuen Buchs "Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen" von Kerstin Bund (Rezension folgt) bin ich gestern über folgenden Ausdruck gestolpert: FOMO. FOMO ist eine Abkürzung und steht für "fear of missing out", also die Angst, etwas zu verpassen. Wissenschaftler nutzen diesen Begriff, um den Einfluss von Social Media auf die Menschen zu beschreiben: diese leichte Nervosität, die uns beschleicht, wenn wir in unserem Facebook-Newsfeed mal wieder verfolgen können, was unsere (digitalen) Freunde auf dem Kiez, in Berlin und New York wieder erleben - während wir auf unserem Sofa sitzen und zum 100. Mal die Folge 'How I met your mother' gucken, in der Robins frühe Karriere als Popsternchen in Kanada aufgedeckt wird. Die Generation Y ist besonders von diesem Phänomen betroffen, und das zieht sich durch alle Lebensbereiche.

 

Und ständig bohrt der Zweifel...

Die Angst, etwas zu verpassen, ist allgegenwärtig in unserem Leben. Das fängt schon bei der Entscheidung für das Studienfach oder die Ausbildung an: Ist das, wofür wir uns aus 1001 Möglichkeiten entscheiden, dann auch das, was uns glücklich macht? Oder zumindest so zufrieden macht, dass wir damit für ein paar Jahre leben können? Und wo, wo wollen wir leben? In einer Stadt, in der wir mittendrin sind und in der uns weiterhin alle Lebensentwürfe offen stehen, oder auf dem Land, wo es behütet, familiär, aber auch ein bißchen langweilig ist? Auch die Frage nach dem Partner an unserer Seite ist so eine schwer zu lösende: Vielleicht ist er oder sie der/die Richtige, vielleicht verpassen wir aber auch jemanden, der noch viel besser zu uns passt, wenn wir beim aktuellen Partner bleiben? Und in der Berufswahl ist es dann das Gleiche in Grün: Wollen wir für einen großen Konzern arbeiten, für einen Mittelständler, oder selbst ein Start-up aufziehen? Verpassen wir eine einmalige Gelegenheit, großartige Karrierechancen oder einen sicheren Job?

 

FOMO ist mehr als nur Social Media

...sondern quasi unser ganzes Leben. Den einen trifft sie mehr, den anderen weniger. Sie ist auch nicht in allen Bereichen des Lebens gleich präsent. Ich möchte auch mal behaupten: sie ist nicht nur schlecht. Im Gegenteil, wer regelmäßig hinterfragt, was sein Leben gerade ausmacht und überlegt, was er dadurch vielleicht verpasst, ist besser in der Lage, die vielen Möglichkeiten für sich optimal auszunutzen. Dazu muss die FOMO aber gepaart sein mit einem Pragmatismus, den die meisten von uns schon verinnerlicht haben. Der sorgt dann dafür, dass wir eine Situation (Beziehung, Job, Wohnort) verlassen, wenn wir merken, wir zahlen einen zu hohen Preis dafür. Gleichzeitig braucht es dann aber auch eine gute Portion Realismus, die uns die Situation und die möglichen Alternativen realistisch einschätzen lässt. Wenn wir diese drei Dinge kombinieren - FOMO, Pragmatismus und Realismus - dann kann gelingen, was so schwer erscheint: Aus dem Dschungel der Möglichkeiten das Beste machen.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0