Meine Wochenendlektüre: New Business Order

Gestern Abend, betahaus Hamburg, an die 100 Menschen haben sich zusammengefunden, um einem echten betahaus-Produkt die Ehre zu erweisen: dem Buch "New Business Order" von Lena Schiller Clausen und Christoph Giesa, seit Kurzem auf dem Markt. Lena und Christoph, beide Jahrgang 1980, haben das Buch nicht nur im betahaus geschrieben, sondern sich auch dort kennengelernt. Während Lena als Mitgründerin des betahauses der neuen Arbeitswelt ein Zuhause schuf, war Christoph im Großkonzern OTTO für diese zuständig. Sie tauschten sich aus über das Aufeinandertreffen zweier Welten: Start-ups auf der einen Seite, Konzerne und gestandene Unternehmen auf der anderen Seite. Irgendwann, so die Legende, gab es dann eine SMS von Christoph an Lena: "Wir sollten dringend ein Buch zusammen schreiben". Gesagt, getan. Zielgruppe des so entstandenen Werkes ist das mittlere Management: die, die merken, dass der Markt und die Arbeitswelt sich verändern und darauf reagieren wollen. Neben zahlreichen Beispielen finden sie im Buch das nötige Handwerkszeug, um adäquat mit dem Wandel umzugehen und nicht nur hilfos zuzusehen. So können sie eine Brücke bauen in die neue Welt, ohne einem Hype zu erliegen, den es laut Lena und Christoph nämlich gar nicht gibt - die Themen sind alle nicht neu, man muss sie nur neu ordnen.

 

Von Start-ups lernen

Große Unternehmen sehen sich Problemen gegenüber, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab. Die alten Lösungsstrategien funktionieren nicht mehr, weil sich der Markt verändert (Teil 1 des Buches). Aber sie können, wenn sie sich auf die Zukunft einstellen wollen, viel von Start-ups lernen. Diese entscheiden sich auf unterschiedlichen Ebenen von den großen Playern:

  • im Verhätnis zu externen Einflussgrößen,
  • in der Verfügbarkeit interner Ressourcen,
  • im Umgang mit Hierarchie,
  • auf der strukturellen Ebene und
  • bezüglich der Kultur und Werte, die sie leben.

Lena und Christoph haben zahlreiche Beispiele (Teil 2) zusammengetragen, die zeigen, wie eigentlich widrige Umstände zum Vorteil genutzt wurden und in erfolgreiche Geschäftsmodelle übersetzt. So berichten sie von FormFormForm, das mit Sugru, einem Silikonverbundstoff-Produkt, in wenigen Jahren quasi aus der heimischen Küche einen weltweite Kundenstamm aufgebaut hat - trotz Wirtschaftskrise und ganz kleinem Anfang. Oder von myboshi, einem Mützen-Produzenten, der irgendwann die Not der Plagiate zur Tugend machte und seither sehr erfolgreich DIY-Pakete verkauft und sein Wissen teilt. Beispiele wie diese finden sich im Buch zuhauf, und sie machen deutlich, dass der veränderte Markt nicht nur Risiken, sondern auch jede Menge Chancen birgt.

 

Hintergründe und soziologische Erklärungen

Im dritten und letzten Teil ihres Buchs gehen Lena und Christoph auf Theorien und Erklärungsansätze ein, die zeigen, dass der Erfolg der vorangestellten Start-ups kein Zufall ist, sondern bestimmten Prinzipien folgt. Da war die Rede von französischen Lieblingssoziologen und dem Negativbeispiel der Hanse, und dass das Internet nicht Auslöser, sondern Katalysator des Wandels ist - ich gebe zu, diesen Teil muss ich nochmal in Ruhe nachlesen. Einen wichtigen Punkt, der aber auch in der Diskussion nochmal deutlich wurde, möchte ich dennoch nochmal aufgreifen: Das alles ist nicht neu. Die Werte, die uns als "Generation Y" heute treiben, gibt es schon seit den 1968ern. Heute führen aber technologische Entwicklungen auf der einen und geburtenschwache Jahrgänge auf der anderen Seite dazu, dass diese Werte aktiv eingefordert werden von Konsumenten und Arbeitnehmern. Die "neue Ordnung" ist flexibler und dezentraler, Arbeit ist häufiger eingebettet in Netzwerke - aber nicht jeder muss jetzt Freiberufler werden und nicht jedes Unternehmen seine Hierarchien abschaffen. Vielmehr geht es darum, als Einzelperson und als Unternehmen, den Weg zu finden, der passt - und das kann nicht nur einer sein.

 

Danke, Lena und Christoph, für diese weisen Einblicke und Erkenntnisse - und jetzt freu ich mich auf die Lektüre!

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