#smwhh: Engaging Digital Natives

Gestern hat, nicht nur in Hamburg, sondern auch Bangalore, Barcelona, Copenhagen, Lagos, Mailand, New York und Tokio, die Social Media Week begonnen. Bis zum 21. Februar werden in einer unzähligen Anzahl von Veranstaltungen verschiedene Themen rund um Social Media, Digitalwelten und Technologien angeboten. Auch die Generation Y, die Digital Natives, steht im Fokus, und so bin ich in dieser Woche natürlich ebenfalls unterwegs und lausche gespannt. Den Anfang machte gestern der Vortrag von Melanie Goemmel, die als Social Media Redakteurin für den WWF sämtliche digitale Netzwerke betreut. Sie gab interessante Einblicke in den Umgang mit den Digital Natives, die quasi mit dem Smartphone in der Hand auf die Welt gekommen sind und hatte einige Tipps parat, wie es gelingen kann, diese Zielgruppe für ein soziales Engagement zu gewinnen. Dass Millenials sich engagieren wollen, habe ich bereits an anderer Stelle erläutert. Die Frage ist nun, wie eine Organisation wie der WWF die Menschen zu Aktionen bewegen und langfristig neue Mitglieder generieren kann - eine Zusammenfassung.

"Der Aktivismus von einst taugt nicht mehr als Vorbild"

...stattdessen gibt es neue Protestformen, die die jüngere Zielgruppe ansprechen: Die Silent Climate Parade in Berlin etwa, auf der die Teilnehmer über Kopfhörer die gleiche Musik hören und so tanzend durch die Straßen ziehen. Kissenschlachten als Form friedlichen Protests, wie etwa zuletzt in Hamburg gegen das polizeilich eingerichtete Gefahrengebiet. Oder die Critical Mass Hamburg, die sich jeden letzten Freitag zusammenfindet, um als geschlossene Gruppe auf Fahrradfahrer im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Angebote sind vielfältig, und die meisten kommen dem entgegen, was die Digital Natives sich für ein Engagement wünschen: es gibt klare und konkrete Ziele, es gibt einen Sinn hinter der Aktion, die Teilnahme ist einfach, ohne längere Verpflichtung und spontan möglich und bringt Spaß.

 

9 Tipps vom WWF

Ausgehend von ihren Erfahrungen hat Melanie einige praktische Tipps vorgestellt, die Organisationen berücksichtigen sollten, wenn sie Digital Natives für Aktionen und als Mitglieder gewinnen wollen:

  1. Leichten Einstieg ermöglichen: mit einfachen Aufgaben und reduzierter Komplexität.
  2. Wertschätzung: jedes Engagement sollte in irgendeiner Form belohnt werden. Beim WWF gibt es sogar ein Punktesystem dafür; einfachere Varianten wären Follower-Empfehlungen bei Twitter, Likes und Shares bei Facebook und die Vergabe von kleinen Goodies.
  3. Selbstdarstellungs-Wunsch berücksichtigen: Für die Generation "Selfie" ist es wichtig, dass ihr Engagement teilbar ist - also über die sozialen Netzwerke mitgeteilt werden kann. Spielt sicherlich auch für Punkt 2 eine Rolle.
  4. Attraktive, simple Inhalte: Inhalte sollten konkret und zielgerichtet formuliert sein und mit professionellem Video- und Bildmaterial unterstützt werden. Dabei sollte es aber immer ein Angebot zur tiefergehenden Information geben.
  5. Know-how nutzen: Hilfreich ist es auch, bereits vorhandenes Interesse anzusprechen und darauf hinzuwirken, dass die User eigenständig neue Projekte initiieren.
  6. Transparenz schaffen: der WWF sorgt dafür durch eine hohe "Dialog- und Auskunftbereitschaft" der Mitarbeiter.
  7. Zugehörigkeitsgefühl: Communities und Offline-Events fördern das Zugehörigkeitsgefühl. Übrigens funktioniert das in geschlossenen Communities, so Melanie, besser als via Facebook - die Verbindlichkeit und die Aktivität der User sei hier deutlich höher.
  8. Datenschutz: versteht sich von selbst.
  9. Einbindung: durch den intensiven Austausch mit den Usern.

 

Der Schlüssel zum Erfolg

"Attraktive, kleine und konkrete Tools in Kombination mit Offline-Events", sagt Melanie, sind der Schlüssel zum Erfolg. Man müsse Engagement heute anders denken als noch vor 40 Jahren - kaum jemand entscheidet sich heutzutage für eine Organisation und bleibt dann sein Leben lang Mitglied. Die Digital Natives wollen aktiv werden und sind umweltbewusst, und sie trennen nicht zwischen On- und Offline-Welt. Melanie hat sehr beeindruckend geschildert, wie eine Organisation wie der WWF diesen veränderten Bedingungen erfolgreich und kreativ begegnen kann - danke dafür!

 

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