Zum Valentinstag: Wie hält's die Generation Y mit der Liebe?

© catherinecml - Fotolia.com
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Heute ist Valentinstag. In der Werbung gibt es seit Wochen kein anderes Thema; in sämtlichen Medien dreht sich heute alles nur um Herzen, Romantik und Beziehungen. Eigentlich halte ich das für ausgemachten kommerziellen Blödsinn und versuche den Tag weitestgehend zu ignorieren. Gibt ja noch 364 andere Tage im Jahr, an denen man seinen Liebsten zeigen kann, dass man sie liebt - auch jenseits von Pralinen, Luftballons und roten Rosen. Regelmäßige Liebesbekundungen und kleine Aufmerksamkeiten, wenn der andere nicht damit rechnet, halte ich sowieso für effektiver als den großen Bohai einmal im Jahr... Nun gut, jetzt blogge ich ja seit einigen Wochen und möchte getreu meinem Redaktionsplan diesen Tag - der, wie ich in der Recherche überrascht feststelle, doch keine Erfindung der Floristen ist - zum Anlass nehmen, mal eine Frage jenseits der Arbeitswelt in den Fokus zu nehmen: Wie hält es die Generation Y eigentlich mit der Liebe?

Vielfältigkeit der Modelle

Ähnlich wie in der Arbeitswelt stellen wir auch an unser Privatleben, und gerade an unsere Beziehung, vermehrt hohe Ansprüche. Auch hier soll es möglichst abwechslungsreich und aufregend zugehen und uns erfüllen. In Zeiten, in denen kaum noch jemand in die Kirche geht und wir nicht mehr eingebettet sind in Großfamilien, kommt der Liebesbeziehung eine viel größere Bedeutung zu. Gleichzeitig sind wir flexibler geworden. Wir sind aufgewachen mit vielfältigen Lebensentwürfen, wir kennen Patchwork-Familien in allen Facetten, der Begriff "Lebensabschnittspartner" wurde uns schon in der Schule vermittelt. Auch das ist eine Ähnlichkeit mit dem Berufsleben: Es gibt kaum noch Maßstäbe zur Orientierung, alles kann, nichts muss.

 

Und dann diese Zweifel...

...die uns immer beschäftigen, wenn es um potentielle, erträumte oder reell vorhandene Partner geht: Ist das Mr. bzw. Mrs. Right? Ist er oder sie der oder die Richtige - für jetzt, für die Zukunft, für den Rest meines Lebens? Die geschätzte Autorin Nina Pauer hat das in ihrem Buch Wir haben keine Angst sehr treffend beschrieben:

 

"Wir haben unglaubliche Angst. Und zwar wirklich vor allem: Davor, dass wir einfach nie jemanden finden werden, mit dem wir uns eine Zukunft vorstellen könnten. Dass wir ihn, der irgendwo da draußen herumläuft, einfach nie treffen werden. Davor, dass wir ihn verpassen könnten, weil wir bei jemand Falschem bleiben. Generell davor, dass wir uns falsch entscheiden könnten, unsere Gefühle falsch investieren, so lange, bis wir uns selbst verloren haben. Oder wir haben Angst davor, dass wir den Richtigen in den Wind schießen, nur weil wir fälschlicherweise dachten, dass es der Falsche sei."

Wo ist der Unterschied zu älteren Generationen?

Der Unterschied in der Orientierungslosigkeit liegt nah - früher waren die Rahmen und Erwartungen einfach klarer gesteckt. Mann - Kind - Haus, das war eine verlässliche Reihenfolge, die Orientierung gegeben hat. Das ist heute anders, und zwar zum Glück! Doch wie sieht es aus mit den Zweifeln, sind die in meiner Generation neu? Oder ist der Umgang mit den Zweifeln nur ein anderer? Manchmal kommt es mir so vor, als wäre letzteres der Fall. Ich glaube, dass Ängste und Zweifel bezüglich einer Partnerschaft heute viel mehr Aufmerksamkeit erfahren. Und viel häufiger mit einem flexiblen Pragmatismus aus dem Weg geräumt werden. In anderen Worten: Wenn ich mir nicht sicher bin, ob der Partner/die Partnerin der/die Richtige ist, trenne ich mich. In vielen Fällen mag das die richtige Entscheidung sein, aber ein Unterschied zu Eltern- und Großeltern-Generation, die auch jahrelange Ehekrisen ausgehalten haben, ist das schon. Ob das eine oder das andere besser ist, will ich gar nicht bewerten. Letztlich haben vermutlich, wie so oft im Leben, beide Herangehensweisen Vor- wie Nachteile und ihre Berechtigung.

©catherinecml
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Der Valentinstag als wichtiges Ritual?

Bei all der Orientierungslosigkeit und den Zweifeln ist es vermutlich gut, sich einen Rahmen zu suchen, der hilft, das auszuhalten. Mitunter kann das nämlich ganz schön zermürbend sein. Dann ist es gut, dass es solche Tage wie den heutigen gibt, der uns mal innehalten und wertschätzen lässt, was wir haben. An dem wir uns darauf besinnen, was wir an unserer Partnerin/unserem Partner schätzen und ihm oder ihr das zeigen. Vielleicht ist das Geheimnis des heutigen Tages, oder gar das Geheimnis glücklicher Beziehungen? Da können wir Jungen vermutlich noch einiges von den Älteren lernen.

In diesem Sinne: Liebt euch und seid nett zueinander, nicht nur heute, sondern das ganze Jahr über!

 

 

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