Soziales Engagement mit vielen - so kann es gelingen.

© vectoraart - Fotolia.com
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Vor wenigen Wochen ist der Millenial Survey 2014 von Deloitte erschienen. Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen hat 7.800 Millenials aus 28 Ländern zu verschiedenen gesellschaftlichen und beruflichen Fragestellungen befragt. Unter anderem zeigen die Ergebnisse sehr deutlich, dass die Millenials nicht nur an ihren Job und ihr Arbeitsumfeld bestimmte Erwartungen haben - sondern sich auch für eine bessere Gesellschaft einsetzen. So fordern sie von Unternehmen, neben der Gewinnmaximierung auch die Lösung gesellschaftlicher Problemstellungen in den Fokus zu nehmen. Darüber hinaus gaben aber auch viele der Befragten an, sich gesellschaftlich zu engagieren: durch Spenden (63%), ein aktives Ehrenamt (43%) und Petitionen (52%). Social Entrepreneurs und Service Learning-Projekte an Schulen und Universitäten werden immer zahlreicher, und alle gemeinsam haben ein Ziel: Die Gesellschaft, in der wir leben, zu verbessern.

 

Auf der Suche nach einer Methode, die die aktive Gestaltung der Gesellschaft und der eigenen Lebensumwelt auch für große Gruppen ermöglicht, bin ich vor einigen Monaten auf die Zukunftswerkstatt gestoßen, die ich heute vorstellen möchte.

Wer hat's erfunden?

Die Zukunftswerkstatt wurde von den Zukunftsforschern Robert Jungk, Rüdiger Lutz und Norbert R. Müllert entwickelt. Das Ziel war die Entwicklung eines Formats, dass die aktive Gestaltung und Einflussnahme auf die Lebensumwelt ermöglicht und hilft, kollektiv Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu finden.

 

Wie läuft's ab?

Grundsätzlich hat eine Zukunftswerkstatt drei Phasen:

  1. Die Kritikphase: Zu Beginn werden Mängel, Defizite und Probleme gesammelt. Dies kann in Form eines Brainstorming erfolgen oder auch kreativer in Form von Collagen, szenischen Darstellungen oder Visualisierungen - je nachdem, was Zeit und Rahmenbedingungen zulassen. Es empfiehlt sich in jedem Fall, die einzelnen Aspekte zum Abschluss thematisch zu bündeln.
  2. Die Utopie- oder Phantasiephase: In der nächsten Phase werden alle Probleme und Schwierigkeiten "verbannt" und ins Gegenteil umgekehrt. Negative und hinderliche Gedanken werden ausgeblendet; nun geht es darum, die beste/schönste/einfachste Lösung für das Problem zu phantasieren - auch das gern auf kreative Art und Weise.
  3. Die Realisierungsphase: Zum Abschluss werden aus den vorherigen Überlegungen realistische Maßnahmen abgeleitet. Gegebenenfalls werden Experten hinzugezogen, Projektpläne zur Umsetzung der Maßnahme entwickelt oder Verantwortlichkeiten verteilt - wichtig ist, dass die konkreten Schritte zur Realisierung erarbeitet und dokumentiert werden.

Je nach Fragestellung und Teilnehmerkreis kann es sich anbieten, die Zukunftswerkstatt in regelmäßigen Abständen durchzuführen und so einen regelmäßigen Ist-Soll-Vergleich zu ermöglichen.

 

© Santhosh Kumar - Fotolia.com
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Was bringt's?

Die Zukunftswerkstatt eignet sich als Bürgerbeteiligungsverfahren auf kommunaler Ebene, z.B. in der Stadtplanung, ebenso wie in der Organisationsentwicklung. Es ist eine Methode, die sehr lösungsorientiert und konstruktiv ist und sich so insbesondere zur Lösung von konkreten Problemen anbietet. Im Gegensatz zum Open Space, das ja eher dem Austausch zu verschiedenen Themen dient, werden Vereinbarungen festgehalten, die auch später immer wieder leicht aufgegriffen, überprüft und weiterentwickelt werden können. Auch in großen Gruppen können so demokratisch und über Hierarchien hinweg Maßnahmen entwickelt werden, die durch die kollektive Entwicklung eine besondere Motivation für die Beteiligten ausstrahlen. Die kreative Herangehensweise schließlich macht, sofern sie denn umgesetzt wird, einfach auch viel Spaß und kann ganz neue Sichtweisen auf ein bekanntes Problem eröffnen - allein das reicht ja manchmal schon zur Lösung.

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