Ein Ministerium, ein Forscher und eine Generation auf der Suche nach dem Glück

Millenials streben nach Werten wie Sinnhaftigkeit, Abwechslung, Vielfalt und Selbstverwirklichung. Ihnen sind Familie und Freundschaft ebenso wichtig wie Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit. Sie engagieren sich zahlreich für Gerechtigkeit, für die Gesellschaft, in der sie leben und für ihre Mitmenschen. Ein besonderes Projekt dient dem höchsten aller Werte: dem menschlichen Glück. Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist aus einem studentischen Projekt der Hochschule Mannheim erwachsen, war dann Inhalt einer Masterarbeit und ist mittlerweile eine Kampagne mit zahlreichen Anhängern (am 06.01.2014 allein 4.874 Fans auf Facebook und 555 Follower auf Twitter bei Twitter). Das Ziel: eine (politische) Debatte über das Glück und, wie im kleinen Königreich Bhutan, ein offizielles Ministerium für Glück und Wohlbefinden.

 

Doch wie können wir unser Glück, unabhängig von politischen Institutionen, auch eigenverantwortlich steigern? Dazu beschäftigt sich seit einiger Zeit ein Forschungszweig der Psychologie: die Positive Psychologie.

Die Wurzeln der Positiven Psychologie

Martin E. P. Seligman (geb. 1942) gilt als einer der Väter der Positiven Psychologie. Er ist Professor an der University of Pennsylvania und gründete dort das Positive Psychology Center. Schon in den 1960er Jahren machte er sich mit dem Konzept der erlernten Hilflosigkeit in der Forschung zur Depression einen Namen. In den 1990ern begann er dann, sich mit den menschlichen Stärken und deren Förderung auseinanderzusetzen und erkannte dies als den wichtigsten Aspekt der psychischen Gesundheit. Statt Heilungsmethoden zu erforschen, fokussierte er sich auf die Prävention psychischer Erkrankungen. Im gleichnamigen Buch ("Der Glücks-Faktor: Warum Optimisten länger leben") erläutert er den Glücksfaktor wie folgt:

 

Glück = Vererbung + Lebensumstände + Wille

Das nachhaltige Glücksniveau, dass wir auf Dauer erreichen können, setzt sich also, so Seligman, zusammen aus der genetisch vererbten Bandbreite des erreichbaren Glücks, den Lebensumständen, denen wir ausgesetzt sind und den Variablen, die wir willentlich kontrollien können. Besonders interessant sind eben letztere, die wir beeinflussen und steuern können. Seligman meint damit vor allem positive Emotionen und zwar in Bezug auf Zukunft (Optimismus, Zuversicht, Glauben und Vertrauen), Gegenwart (Freude, Ekstase, Gelassenheit, Schwung und Überschwang) und Vergangenheit (Genugtuung, Zufriedenheit, Erfüllung, Stolz, Behagen). Zur Förderung jedes einzelnen dieser emotionalen Zustände findet man zahlreiche Strategien in der Literatur; jede einzelne Emotion wird aber auch durch individuell sehr unterschiedliche Trigger ausgelöst. Es lohnt sich also, zunächst einmal nach innen zu horchen, bevor man 1-zu-1 umsetzt, was (mittlerweile unzählige) Glücksforscher empfehlen. Die Beschäftigung mit positiven Gefühlen und Gedanken lohnt sich aber in jedem Fall: zahlreiche wissenschaftliche Studien haben belegt, dass sie unser Leben auf vielfältige Weise bereichern. Vor allem auf die physische Gesundheit und das Stressempfinden haben optimistische Gedanken äußerst positive Auswirkungen.

3 Arten des glücklichen Lebens

Über die enorme Bedeutung positiver Gefühle hinaus beschreibt Seligman drei Arten eines glücklichen Lebens:

  1. das "gute Leben", in dem persönlicher Wachstum im Vordergrund steht,
  2. das "sinnvolle Leben", bei dem das Engagement für andere/etwas größeres als man selbst an erster Stelle steht,
  3. das "angenehme Leben", das auf Geselligkeit und Spaß fokussiert.

Alle diese Lebensarten machen nachhaltig glücklich, insbesondere wenn sie gepaart sind mit guten sozialen Beziehungen. Soweit die Theorie. Doch wie passt die jetzt zusammen mit der Generation Y?

Die Generation Y und ihr Glück

Ein Gedanke, der sich mir aufdrängt: Vielleicht ist die Generation Y die erste Generation, die alle drei glücklichen Lebensweisen in ihr Leben integrieren will. So finden sich doch alle Werte, die ihr nach einhelliger Meinung wichtig sind, in den drei Lebensarten wieder, die Seligman beschreibt: persönliches Vorankommen und Weiterentwicklung, Sinn in dem, was sie tun, Nachhaltigkeit, aber auch Abwechslung und Vielfalt im Leben. Und die sozialen Beziehungen sowieso. Vor allem das Teilen aller möglichen freudigen Ereignisse mit anderen ist dank sozialer Netzwerke heute so einfach wie noch nie: innerhalb weniger Stunden verbreitet sich die Nachricht von Geburten, Hochzeiten und neuen Jobs; zum Geburtstag erhalten wir Glückwünsche von 100 Leuten über 5 Kanäle. Führt das nicht auch dazu, dass der Bedarf nach positiven Emotionen steigt, weil die einzelnen Momente so schnelllebig sind? Müssen wir die Frequenz erhöhen und die Bandbreite erweitern, damit der Effekt nachhaltig bleibt? Mir scheint, es gibt aus der Forschung der positiven Psychologie einiges, was für meine Generation (und alle, die sich ihr inhaltlich zugehörig fühlen) interessant ist und was ihr Leben bereichern könnte. Deswegen schließe ich heute mit einem Ausblick: auf mehr Input aus der Glücksforschung in den nächsten Wochen und Monaten!

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