"Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, nicht mit schlechten." (G. B. Shaw, 1856-1950)

Da sind wir also wieder – zwischen den Jahren. Viele nutzen diese Zeit, um nach dem weihnachtlichen Trubel einmal innezuhalten, das Vergangene Revue passieren zu lassen und, mit der Weihnachtsgans im Bauch auf dem Sofa liegend, Energie zu sammeln für das kommende Jahr. Sie schmieden Pläne und fassen Vorsätze. Denn das neue Jahr steht für einen Neuanfang, eine neue Chance, für einen Startschuss: 2014 wird, wie auch schon 2013, 2012, 2011 und all die Jahre zuvor, alles anders!

 

Aber warum scheitern ebenso viele Menschen immer wieder daran, die guten Vorsätze dann auch umzusetzen - und das jedes Jahr auf's Neue? Ein Erklärungsversuch...

Wenn Pläne kontraproduktiv sind…

Wendy Liu (University of California, San Diego) und Claudia Townsend (Miami University) testeten 2012 die Selbstdisziplin von 500 Amerikanern. All diesen Teilnehmern war die Erwartung gemein, mindestens 1.200 $ Steuerrückzahlung zu erwarten. Nun baten die Wissenschaftlerinnen die eine Hälfte der Versuchsgruppe, anzugeben, wofür sie das Geld ausgeben wollen – die andere Hälfte machte dazu keine Angaben. Nach einem halben Jahr wurden die Teilnehmer wieder befragt, und siehe da: der überwiegende Teil derjenigen, die angegeben hatten, mit dem Geld Schulden begleichen zu wollen oder es zu sparen, hatte weniger Geld gespart als die Personen, die keine Ziele angegeben hatten!

Schon 1932 entdeckt: Der Goal-Gradient-Effekt

Die Erklärung für dieses Muster, dass auch in anderen Experimenten gefunden wurde, hat der Verhaltensforscher Clark Hull bereits 1932 geliefert: mit „Goal-Gradient-Effekt“ beschrieb er schon damals das Phänomen, dass die Anstrengung, ein Ziel zu erreichen, umso größer wird, je näher dieses Ziel bereits ist. Je größer der Unterschied zwischen Ist- und Soll-Zustand, umso mehr wirken die selbstgesteckten Ziele motivationshemmend. Die gefühlte Entfernung bis zum Ziel sorgt dann vielmehr für Stress, Unzufriedenheit und Resignation.

Auf die Zielformulierung kommt’s an

Ziele sollten also nicht zu weit entfernt sein. Da hilft es, sie SMART zu formulieren: Spezifisch, Messbar, Anziehend, Realistisch und Terminiert. In anderen Worten: unmissverständlich und konkret, überprüfbar, attraktiv und aus eigener Kraft erreichbar. Als hilfreich hat sich auch erwiesen, sie wirklich niederzuschreiben und mit anderen zu teilen – die soziale Kontrolle erhöht die Motivation.

© Anton Gvozdikov - Fotolia.com
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How to fool your brain

Wichtig ist dabei, die innere Logik zu beachten – denn das Unterbewusstsein ist tückisch. Sagen wir, wir „wollen“ oder „wünschen uns“, ist das so formulierte Ziel für unser Unterbewusstsein schon erreicht – denn wir wünschen und wollen in diesem Moment ja bereits. Um das Ziel auch wirklich zu erreichen, müssen wir es in der Gegenwartsform denken. Auch Verneinungen sind so eine Sache. Nehmen wir uns vor, ausnahmsweise einmal nicht an den rosafarbenen Elefanten zu denken, passiert genau das: wir kriegen das Tier nicht aus dem Kopf. Das liegt daran, dass das Gehirn diesen Gedanken unweigerlich mit dem Bild verknüpft. Natürlich lässt sich das auch auf andere Dinge wie Schokolade, Faulsein, Biertrinken und Rauchen übertragen…

Und nun?

Kurz und knackig heißt das: um 2014 wirklich ein paar von den Zielen (realistisch bleiben!) zu erreichen, sollte man folgende Hinweise berücksichtigen:

  1. Konkrete, logische und positive Ziele formulieren – und sie aufschreiben.
  2. In kleinen Schritten denken – damit das Ziel immer in Reichweite ist.
  3. Erfolge ausmalen – das erhöht die Attraktivität des Ziels.
  4. Aber auch: Misserfolge einplanen – das verhindert Frustration.
  5. Freunde und Familie einbinden – vielleicht gibt es ja auch Gleichgesinnte? Nachwievor gilt: Geteiltes Leid ist halbes Leid…

Und wenn das alles nicht hilft und die guten Vorsätze doch wieder nur „[..]ein rührendes, verlässlich wiederkehrendes Ritual, eine Art Bleigießen der Biografien“ (Andreas Bernard, 2009) waren, bleibt ja noch ein Ausweg

 

In diesem Sinne: ein erfolgreiches, gesundes, glückliches 2014!

P.S.: Im nächsten Beitrag geht es darum, warum auch ein Nicht-Verändern wichtig sein kann...

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Kommentare: 2
  • #1

    Heiko Franken (Donnerstag, 02 Januar 2014 14:48)

    Liebe Isabelle,

    ein wunderbarer Blog und ein sehr passender Einstieg in das Thema. Ich wünsche Dir alles Gute für 2014 und bin mir sicher das ich deine Dienste zum Verständnis der Generation Y mit meinen Startups bald brauchen werde....

    Herzlichst

    Heiko

  • #2

    Isabelle Müller (Donnerstag, 02 Januar 2014 15:22)

    Lieber Heiko,
    vielen Dank für dein tolles Feedback - ich freue mich sehr, dass Dir mein Blog so gut gefällt!
    Auf bald hoffentlich :)
    Isabelle